Zu Beginn des Sommers ein wenig Süden erlesen

Die Tage werden spürbar länger und die Temperaturen schnellen nach oben, alsbald meldet der Kalender „Sommeranfang“ und etliche Menschen freuen sich auf ein paar Urlaubstage abseits des Alltags. Die heute vorgestellten Bücher können kurzweilige Reisebegleiter sein, taugen aber auch, um sich hierzulande gedanklich in den Süden zu transferieren.

Aus dem üppigen und qualitativ gar nicht üblen Angebot an Kriminalromanen, deren Handlung in den bekannteren Regionen Frankreichs angesiedelt ist, haben wir Sophie Bonnets „Provenzalische Flut“ gewählt (‎Verlag Blanvalet, Paperback, 368 Seiten, ISBN 978-3764508494, Preis 18 Euro). Warum? Ganz einfach: Die Hamburgerin war bereits dreimal im Gleiberger Land, las 2015, 2016 und 2021 bei den Wettenberger Deutschfranzosen, die dazu jeweils in die KuKuK-Halle nach Wißmar eingeladen hatten.

Der jüngst veröffentlichte Roman ist der zehnte mit Pierre Durand in der Hauptrolle, einem ehemaligen Pariser Kommissar, der als Dorfpolizist im fiktiven Dörfchen Sainte-Valérie bei Gordes ermittelt. Nun ist er mit seiner Frau Charlotte Berg, einer ebenso begnadeten wie leidenschaftlichen Köchin auf Hochzeitsreise an der Küste vis-à-vis der Insel Porquerolles bei Toulon.

Heike Koschyk alias Sophie Bonnet ist im Gleiberger Land bekannt: Dreimal war sie seit 2015 in Wettenberg zu Gast, zuletzt 2021 im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Sehnsucht.Süden.“, wobei man sie hier mit dem Licher Maler und Grafiker Bodo Klös sieht. Jüngst legte sie „Provenzalische Flut“ vor, den zehnten Krimi mit Pierre Durand.

Just beim ersten Morgenspaziergang am Strand landet ein erschöpfter Taucher an, der Durand noch eine Mitteilung flüstert, bevor er sein Leben aushaucht. Statt Honeymoon also taffe Ermittlungen? Nicht ganz einfach, denn der „Provinz-Kieberer“ ist in der Gegend nicht zuständig.

In der Sache – Bonnet pflegt ihre Plots entlang eines aktuellen und womöglich kontrovers erörterten Themas „aus dem richtigen Leben“ zu knüpfen – geht es um den Schutz von Seegraswiesen und den Bau einer Trinkwasserpipeline zur genannten Insel.

Sophie Bonnet wäre nicht sie selbst, wenn der zehnte Fall von Pierre Durand ohne kulinarische Zugabe endete. Ihrer Leserschaft unterbreitet sie die (eigenen!) Rezepturen für kühle Gurkensuppe mit frisch gegrillten Crevetten-Spießen, für Panisses, also frisch zubereitete Kichererbsen-Fritten, sowie für „Tarte Tropézienne“ à la Brigitte Bardot.

*

Ganz tief eintauchen in die italienische Seele lässt uns zum zweiten Male der 55-jährige Musikjournalist, Autor und Musiker Eric Pfeil: Nach „Azzurro“ (2022) legte er jüngst mit „Ciao Amore, ciao“ eine weitere Auswahl an 100 Liedern, Schlagern und Canzoni vor, die allesamt dazu angetan sind, uns – jenseits von Melodie und Texten – das Leben und die Welt, das Denken und das Fühlen zwischen Mailand und Messina im Gestern und im Heute näherzubringen (Verlag KiWi, Taschenbuch, 368 Seiten, ISBN 978-3-462-00609-4, Preis 14 Euro).

Geradezu köstlich, wie der seit seiner Kindheit italophile Autor nicht allein Ohrwürmer seziert und interpretiert, um – vereinfacht gesagt – Italien samt all der Faibles für „la dolce vita“ zu erklären.

Eric Pfeil bleibt der italienischen Seele auf der Spur: Der Nachfolger seines Bestsellers „Azzurro“ kam jüngst in den Handel. Auch „Ciao Amore, ciao“ versucht, uns Italien durch die Musik zu erklären, durch Canzoni und Schlager und andere Ohrwürmer.

Einmal mehr ist es ein informativer wie unterhaltsamer und anregender „Reiseführer ohne Sehenswürdigkeiten“ geworden – dafür aber einer mit Hörenswertem. Damit das Vergnügen vollends wird, gibt’s die Playlist per QRM-Code gleich frei Haus mitgeliefert.

Wenn der Frankfurter Schriftsteller und Satiriker Robert Gernhardt (1937-2006) einst meinte, er habe „die Besten meiner Generation verderben sehen bei dem Versuch, die italienische Seele zu enträtseln“, dann behaupten wir mal keck, dass Eric Pfeil auf einem guten Weg ist, dies ein Stück weit zu widerlegen.

Volare oh, oh. Cantare oh, oh. Nel blu, dipinto di blu …

         Norbert Schmidt

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