(mav). “Chor trifft Karaoke”, lautete das Motto einer besonderen sängerischen Idee des gemischten Chores der Sängervereinigung „Germania-Eintracht” Wißmar und mit der Umsetzung dieser Idee hatten die Verantwortlichen einmal mehr voll ins Schwarze getroffen. Das es den Sängerinnen und Sänger nicht an Phantasie mangelt, wenn es darum geht, mit besonderen Angeboten Menschen die Freude am gemeinsamen Gesang zu vermitteln, hatten sie bereits vor gut einem Jahr mit der „Italienischen Nacht” bewiesen. Das Schlager nicht als verstaubt gelten müssen und mit Stirnrunzeln diese Genres quittiert werden muss, stellte die Sangesfamilie im Vereinslokal „Sängereck” unter Beweis. Ganz im Gegenteil: Der Schlager hat seine Historie, war und ist oft auch Spiegelbild des Zeitgeschehens und der gesellschaftlichen Ausrichtung. Den Wandel, den der Schlager diesbezüglich erlebte, skizzierte anfangs Matthias Hampel, Chorleiter des gemischten Chores und da blickte er ganz weit zurück. Ob Gassenhauer oder Evergreens sollte egal sein. Im 19. Jahrhundert bereits erwuchs der gemeine Schlager durch Klassiker aus Oper und Operette und als Beispiel führte der Chorleiter die Stück an „Glücklich ist, wer vergisst” und aus dem Jahre 1867 bekannt „An der schönen blauen Donau”. Durch Rundfunk und Vinylplatte als Tonträger sei der Schlager dann richtig salonfähig geworden, so Matthias Hampel. In Max-Raabe-Barriton-Manier unterbrach er seinen Rückblick, setzte sich ans Klavier und sang das Lied „Was will der Mann da, auf der Veranda”. In der nationalsozialistischen Zeit hatte der Schlager ausschließlich die Funktion des massenwirksames Instrument der Ablenkung und als Propagandamittel. Nach dem 2. Weltkrieg ging es um das Vergessen, dem Leben wieder zugewandt sein und die heile Welt widerspiegelte sich nicht nur im Lied „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein”. Im ersten Block bewegte sich der Chor dann sängerisch durch die Jahre 1958 bis 1965 und es erklangen Stücke wie „Heimweh”, „Die Gitarre und das Meer”, „Aber dich gibt’s nur einmal für mich sowie „Marmor, Stein und Eisen bricht”. Zum Mitsingen aufgefordert waren die Gäste bei Freddys „Junge komm’ bald wieder”, „Schuld war nur der Bossa Nova” von Manuela und „Zwei kleine Italiener” von Conny Froboess. „Über sieben Brücken musst du geh’n” stammt von der Ostdeutschen Band „Karat” und wurde besonders populär durch Peter Maffay, der es neu aufgriff. Es gilt als die Hymne der Wiedervereinigung und damit wurde der 2. Chorblock eröffnet, moderiert von Gisela Hecker. Zur Zeitgeschichte, wie sie erklärte gehörte von Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre Gruppen wie „Boney M”, die die Disco-Ära beeinflusste und die schwedische Popgruppe Abba mit „The Winner takes it all”, dass der Chor ebenso präsentierte wie „Ich wollte nie erwachsen sein”. Nach dem darauf folgenden Karaoketeil, moderierte der Ehrenvorsitzende der Sängervereinigung, Jürgen Bechthold, der auch die Begrüßung gemacht hatte, den 3. Konzertblock, auf der Zeitschiene 1990 bis 2000, geprägt von großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Das Comeback des Schlagers in den 90er war geprägt durch eine jüngere Genration von Interpreten wie Guildo Horn, Wolfgang Petry und Andrea Berg, die teilweise die ältere Schlager auf ironische und nostalgische Art verfremdeten. Die Neue deutsche Welle schwappte über das Land. Ebenfalls in diese Jahre zu verorten das aufkommen von Partyschlager. Neben Elten Johns oscarprämierten Lied „Can you feel the love tonight” sang der Chor auch das Stück „Ihr von Morgen”, bei dem Udo Jürgens in die Zukunft blickte und die Chance auf Veränderung und Hoffnung damit verknüpfte. Ein immer zeitgemäßes und nachdenklich stimmende Werk, so Jürgen Bechthold. Der dankte auch dem DJ, Reinhard Dietmann für die Unterstützung bei den Karaoketeilen.


„Schlager im Wandel der Zeit” – vorgetragen vom gemischten Chor der Sängervereinigung „GermaniaEintracht” Wißmar. (Fotos: Mattern)


