Zeitzeugen Rolf Henrich und Erich Leib (v.l.) – als die Amerikaner kamen, moderiert von Klaus Pradella.

(Foto: Volker Mattern)

(vm).“Nie wieder ist jetzt” – meint entschlossenes Handeln, um Gräueltaten, wie sie das menschenverachtende NS-Regime zu verantworten hat, mit all ihren Folgen von Krieg, Flucht, Vertreibung, Tod und vor allem dem Holocaust, zu verhindern. Es war still in der Aula und aufmerksam hörten sie zu, die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe der 10. Klasse der GGL (Gesamtschule Gleiberger Land). Auf Bestreben der Heuchelheimer Kulturinitiative „K(L)EINE Kunst”, fand hier für insgesamt rund 100 Jugendliche an zwei unterschiedlichen Tagen eine besondere Form von Geschichtsunterricht statt. Das Thema: „Als die Amerikaner zu uns kamen” – das hatte keiner von ihnen miterlebt, aber, wie bei der ersten Veranstaltung, der 96jährige Erich Leib aus Krofdorf-Gleiberg und der 90jährige Rolf Henrich aus Wißmar. Ihre zusammen fast 190 Jahre an Lebenserfahrung umfasst auch den Zeitabschnitt zum Ende des 2. Weltkrieges, als die Amerikaner auch in das Gleibeger Land einmarschierten und die Region zur Frontlinie wurde. Ein kurzer Filmausschnitt zeigte einige dieser Szenen. Klaus Pradella moderierte die Veranstaltung und erinnerte an die Wortprägung „Befreiung”, aus der berühmten Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard v. Weizäcker vor 40 Jahren, mit der er die Befreiung von der Nazidiktatur, die bereits 1933 mit der Machtergreifung begann, meinte. Die Erlebnisse und Erinnerungen der beiden Zeitzeugen unterschieden sich in bestimmten Teilen alleine schon durch den Altersunterschied. Wie Erich Leib berichtete, wurde er als damals 15jähriger im März 1946, also nur wenige Tage vor der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai, in ein Wehrertüchtigungslager Nähe Wetzlar einberufen und sollte dort mit anderen Jungs der HJ (Hitlerjugend), in vormilitärischer Ausbildung mit Waffen versorgt zum letzten Kampfaufgebot, gehören, obwohl die Aussicht für das kriegstreiberische Deutschland auf einen Sieg schon längst vollkommen aussichtslos war. Abends habe es Alarm gegeben und einige der Buben seien von ihren Vätern mit Fahrrädern und Mopeds aus dem Lager befreit und nachhause geholt worden. Er selbst konnte flüchten. Das Lager wurde gewaltsam aufgelöst. Auch ging für ihn die Einberufung zum Westwalleinsatz mit weiteren 1200 Mann ins Saargebiet gut aus. Wir waren in Reichweite des Artilleriebeschusses und wurden zurückverlegt in die Eifel. 6 Wochen lang nicht geduscht, wie er beiläufig erwähnte. Sein Standort war in der Nähe der Abschussrampen der V1-Rakete und hier mussten wir höllisch aufpassen, dass wir nicht durch die Ungenauigkeit von Flug- und Zieleinrichtungen dieser Waffe selber zu Opfern wurden. Die Vorstellungskraft der Schüler dürfte ausgereicht haben, diese Erlebnisse nachzuvollziehen, sind sie doch alle im gleichen Alter wie Erich Leib damals. Den Einmarsch der „Amis” in ihre Heimatdörfer konnten weder er noch Rolf Henrich, als seinerzeit 10jähriger, nicht unbedingt mit einem Gefühl von Befreiung und Kriegsende verbinden. Beide bestätigen, wir kannten nur diese Nazi-Zeit , wurden groß mit dem Hitler-Gruß, mit Organisationen wie Jungvolk, HJ und BdM (Bund deutscher Mädel) mit Propaganda jeglicher Art und hatten keine Vorstellung, wie der Einzug der Amerikaner zu werten war. Es habe eher eine bedrückende Stimmung geherrscht. In Wißmar, so die Erinnerungen von Rolf Henrich, gab es Unverbesserlichen, die meinten, sie müssten sich noch zur Wehr setzten,während anderswo die weißen Bettlagen und Handtücher als Zeichen der Kapitulation aus den Fenster hingen. Er erinnert sich an einen der Bauernhöfe, auf denen französische Kriegsgefangene arbeiteten und dort schoss ein deutscher Leutnant aus dem Kellerfenster auf die heranrückenden Panzer. Die Amis hätten sich dann von Krofdorf Kommend, auf den Grubenberg zurückgezogen und Wißmar unter Beschuss genommen. Vor allem Zivilisten kamen zu Tode. Ein Geschoss habe das Dach des Elternhauses in der Pestalozzistraße getroffen. Mit seinem 80jährigen Großvater ist Rolf Henrich von dort zur Schulstraße gelaufen, um den Einmarsch der Amerikaner zu sehen. Da habe ich zum ersten Mal einen farbigen, dunkelhäutigen Menschen gesehen. Das alles spielte sich in Wißmar am Gründonnerstag vor Ostern ab. Mein Elternhaus war eines der wenigen, die mit Bad und Heizung ausgestattet waren und so wurde es von höheren Dienstgraden der Amerikaner aus der Versorgungskompanie beschlagnahmt. „Wir mussten alle bei Nachbarn unterkommen”, berichtete Rolf Henrich. Und dann war da noch das Erlebnis mit dem geschenkten Ostereiern für ihn und seine Schwester von einem amerikanischen Soldaten. Im Unterricht hatten die Schüler Fragen vorbereitet, die auch die Verschleppung von Juden und dem Mord an behinderten Menschen (Euthanasie) zum Inhalt hatten. Die Vorkommnisse, was mit den Juden passierte, war uns nicht bekannt und in unseren Familien und im Dorf wurde darüber auch nicht gesprochen. Erich Leib wusste von einem behinderten Jungen, den man 1942 nach Hadamar verschleppt hatte und dessen Vater dort auf eigene Faust nach seinem Verbleib recherchiert habe und mit seinem toten Jungen wieder nach Krofdorf zurückgekehrt sei. Ähnlich ein Fall in Wißmar, von dem Rolf Henrich wusste und dieser behinderte Junge sei von Hadamar wieder nach Wißmar zurückgekehrt und habe dort bis lange nach dem Krieg ein Kiosk betrieben. Die Frage aus Schülerkreisen kam an die beiden, wie sie zur Wehrpflicht stünden. Erich Leib lehnt sie ab, sprach von Schaukelpolitik bei diesem Thema, das nur Verunsicherung auslöse. Pflicht sei nichts falsches, sagte Rolf Henrich. Man könne seinem Land auch Dienste auf andere Art erweisen, die aber, egal in welcher Form, verpflichtend sein müssten. Pflicht bedeute Verantwortung, die man zur Stärkung der Persönlichkeit auch jungen Menschen zumuten müsse. Zum Schluss die Antwort auf die entsprechende Frage, wie angesichts der Weltlage kriegerische Konflikte verhindert werden könnten, riefen die beiden Senioren den Schülern zu, wachsam zu sein, viele Reisen in andere Länder unternehmen und auch durch die Schüleraustausche werde der Horizont erweitert und die globale Sicht schaffe die Voraussetzungen für Tolerieren und Freundschaft. Ein weiterer Zeitzeuge im 2. Block dieser Veranstaltung war noch Werner Kröck aus Heuchelheim als Zeitzeuge mit dabei. Schulleiter, Gabriel Verhoff dankte den Protagonisten für ihre einfühlsamen und beeindruckenden Schilderungen.

Die Sängervereinigung Gleiberg sang und animierte zum Mitsingen beim Nikolausfest.

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Das hatte Format: Das Bürgerprojekt Gleiberg freute sich als Veranstalter über die vielen Gäste beim traditionellen Nikolausfest. Vorsitzende Catrin Schepers, begrüßte sie in der Torstraße am alten Brunnen unter dem Schulberg, unter ihnen auch Ehrenbürgermeister, Gerhard Schmidt und auch für den Nikolaus (im Kostüm, Thomas Meisterknecht) war dies so recht nach seinem Geschmack. Geschenke verteilt er nämlich noch lieber, wenn zuvor etwas dafür geleistet wird und das wurde es. Die Sängervereinigung Gleiberg erfreute nämlich die Besucher nicht nur mit ihren eigenen Stücken, „Winter Wonderland”, dem südamerikanischen Lied „Celebremos las Navidades” sowie „Herbei oh ihr Gläubigen”, sondern animierte auch unter dem „Wettenberger-Weihnachts-Mitsing-Ding” zum mitsingen. Die „Weihnachtsbäckerei” gehörte dabei ebenso zum Repertoire wie „Kling Glöckchen” und „last uns froh und munter sein”. Die Leitung hatte Andreas Stein. Trotz eher mieser Witterung herrschte beste Stimmung bei Glühwein, Kaltgetränken, Fettebrote und Grillwürstchen und frischen Waffeln. Natürlich kamen auch die jüngsten Gäste voll auf ihre Kosten.

Die Seniorenwerkstatt Wettenberg – ein Gewinn für das Gemeinwesen – sucht neue Mitstreiter.

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Die Seniorenwerkstatt Wettenberg ist eine vielschichtige Begegnungsstätte mit positiver Außenwirkung und sie sucht neue Mitstreiter. Durch Erfahrung und Können die Gemeinschaft erhalten, ist ein Leitmotiv der Einrichtung. Es wäre schade, wenn handwerkliches Können nach Eintritt in den Ruhestand so einfach verloren gehen würde, sagen ihre derzeit aktiven Mitglieder. Und hier kommt die Seniorenwerkstatt Wettenberg ins Spiel. Hier kann fast jede handwerkliche Fähigkeit eingebracht werden. Hinzu kommt der Teamgedanke: Die bestehende Gruppe, zu der auch eine Frau gehört, freut sich über neue Mitstreiter. Hinzu kommende Handwerker und Handwerkerinnen werden nach Ihren Fähigkeiten eingesetzt, haben jedoch auch die Möglichkeit, sich an Dingen auszuprobieren, die neu für sie sind. Auch Interessierte, die keine handwerklichen Kenntnis mitbringen, sind willkommen – das Interesse am „Werkeln” ist das Wichtigste. In den wöchentlichen Treffen, mittwochs ab 14 Uhr in der Gesamtschule Gleiberger Land, besteht die Möglichkeit, verschiedene handwerkliche Tätigkeiten im Rahmen der individuellen Fähigkeiten auszuüben. So ganz nebenbei wird der Austausch zwischen den Generationen bei den unterschiedlichen Angeboten gefördert. Vom Geschick der handwerklich Mitarbeitenden profitieren insbesondere auch andere Vereine und Institutionen sowie die Öffentlichkeit. Zu nennen ist hier die Fertigung von Ruhebänken und öffentlichen Bücherschränken sowie Hochbeeten und Insektenhotels. Zu den Aufgaben zählen außerdem die Wartung von 70 Ruhebänken und die Pflege der Beschilderung des Waldlehr- und Insektenlehrpfades. Die Arbeit der Seniorenwerkstatt geschieht auch generationenübergreifend, denn zu verschiedenen Anlässen, wie beispielsweise bei den Dampf- und Gattertagen im HTM (Holz- und Technikmuseum) oder bei Ausstellungen im Kunst- und Kulturkreis (KuKuK) Wettenberg, finden sich dort aus Holz hergestellte Spielzeuge. Futter- und Nistkästen werden außerdem mit Kindern zur Aufstellung in Wald und Flur gebaut. Mit all diesen Aktivitäten bringt sich die Seniorenwerkstatt nachhaltig in das Gemeinwesen ein. Kontakt über Harald Kessler-Rautenhaus: kessler-rautenhaus@t-online.de oder Ralf Bremer: bremer1952@aol.de .

Drei exzellente Vorträge mit Yannik Necker, Tim Mattern und Oliver Wegener (v.l.).

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Wenn Bäume sterben, invasive Arten die Heimischen verdrängen, oder Selbige sich anpassen, wenn lange Trockenheit die Böden ausdörrt und Starkregenereignisse sich häufen, dann ist etwas aus dem Lot geraten. Vieles ist spürbar und offensichtlich, vieles fällt nur dem aufmerksamen Beobachter und Fachmann auf, aber (fast) alles ist hausgemacht durch den Menschen. Klimaextreme gab es im Laufe der Erdgeschichte schon immer, doch aktuell ist der Wandel rapide, ja beängstigend. Oliver Wegener, Yannik Necker und Dr. Tim Mattern vom NaBu Wettenberg richteten das Brennglas in ihren exzellenten Vorträgen zum Thema „Wettenberger Natur im Klimawandel” auf den Krofdorfer Forst und damit auf die heimische und vielen bekannte Natur. Knapp 100 Zuhörer verfolgten gespannt die Ausführungen, die geprägt waren von hoher Sach- und Fachkompetenz, gepaart, auch mit Witz und Augenzwinkern, verständlich vermittelt wurden. Alle reden vom Klima, kaum jemand noch vom Wetter, geschweige denn der Witterung. Alle drei Begriffe beschreiben aber Zeitspannen, die beim Wetter kurz ist, bei der Witterung mittellang beim Klima einen Zeitraum von mindestens drei Jahrzehnten beleuchtet. Zum Einstieg beschrieb Oliver Wegener die Zusammenhänge und Auswirkungen zunehmender co2-Konzentration, was mit dem erhöhten Energiebedarf zu tun hat und besonders durch die zunehmende Industrialisierung und den Hunger nach fossilen Brennstoffen ab den 50 Jahren auffällt. An Messergebnissen für Gießen konnte seit 1961 bis 1990 ein jährlich kontinuierlicher Anstieg der Temperatur festgestellt werden, was zu längeren Vegetationsphasen und kürzeren Ruhephasen in der Flora führt. Prädestiniert für den Blick auf den Wald war Förster, Yannik Necker. Er konzentrierte sich auf das Revier Krofdorf, mit seinen 1.700 Hektar Teil des gesamten Krofdorfer Forstes mit seinen insgesamt 3.500 Hektar. Hier dominieren die Buche mit 45 Prozent Anteil und die Eiche mit 27 Prozent. Die Fichtenbestände sind zu 90 Prozent und damit fast flächig abgestorben, was für jeden sichtbar ist. Gegenüber der Eiche hat die Buche höhere Standortansprüche. Wie Yannik Necker erklärte, habe diese erst zwei Jahre nach Schädlingsbefall ihre dadurch Beeinträchtigungen gezeigt. Während Käfer wie der Borken- und Eichenprachtkäfer Fichten und Eichen befallen, ist bei der Buche ein Pilz der Schädling. Allerdings, so der Förster, sei sie immer noch sehr konkurrenzstark, weil sie für ihre Naturverjüngung nur wenig Licht benötige, was den Boden erreicht und die jungen Pflanzen zum Wachsen antreibt. In der Erkenntnis der dramatischen Zusammenhänge ist es falsch, Käfer und Pilze als die Übeltäter zu sehen. Die habe es schon immer gegeben, aber die Baumarten konnten sich wehren, weil sie durch ausreichend Wasser grundsätzlich gesund und stabil gewesen seien. Jetzt schwäche sie die Trockenheit und bei einen so schon ohnehin gestressten Baum hätten Käfer und Pilze dann leichtes Spiel, um ihm den Rest zu geben. Es bedarf also gezielter forstlicher Maßnahmen, um einigermaßen Gleichgewicht herzustellen und das geschieht beispielsweise bei Begünstigung trockenrelevanter Arten durch Lichtsteuerung und Verbissschutz. Buchen müssen punktuell weichen, damit mehr Licht den Boden erreicht und Eichenverjüngungen eine Chance haben. Wie Yannik Necker zum Thema Wiederbewaldung ausführte, wurden im Revier Krofdorf seit 2018 auf 36, 5 Hektar 115.000 Bäume gepflanzt, Dabei setzte man auf das Prinzip Risikostreuung durch Vielfalt bei den Arten, in der Hoffnung, mittel- bis langfristig ein klimaresistentes Waldbild aus beispielsweise Eiche, Hainbuche, Edelkastanie, Weißtanne, Douglasie und Lärche zu bauen. Yannik Necker gehört zu der Förstergeneration, bei der Katastrophenmanagement gegenüber klassischer Waldwirtschaft überwiegt. „Ich bin seit fünf Jahren im Revier und kenne nur Holzernte mit bis zu 80 Prozent Schadholzanteil”, berichtete er mit einem fast mitleidigen Lächeln und in der Tat ist der Wald als Wirtschaftsfaktor kaum noch von Bedeutung. Auch auf den Teilaspekt Wasserrückhaltung ging er abschließend ein. Wie sich dies alles auf Flora und Fauna auswirkt, dazu anschließend die Betrachtungen von Tim Mattern, der die gefiederten Wald- und Flurbewohner im Blick hatte. Über Totholz freut sich der Specht. Er hat leichtes Spiel bei der Nahrungssuche und beim Bruthöhlenbau. Je mehr Totholz, je größer die Spechtpopulation. Aber wenn auch die toten Bäume endgültig fallen, reguliert sich auch das Spechtaufkommen wieder, denn mit umgestürzten Bäumen können diese Baumeister nichts anfangen. Der Neuntöter und Baumpieper sind Profiteure bei Naturverjüngungen. Der kleinste Vogel Europas, das Sommergoldhähnchen ist sehr spezialisiert und benötigt Nadelholzbestände, wo es Kleinstlebewesen zwischen den einzelnen Nadeln als Nahrung aufnimmt. Verschwinden diese Bestände, verschwindet auch das Sommergoldhähnchen. Durch diese sensiblen Abhängigkeiten gilt, stirbt die eine Art, stirbt auch die andere. Dennoch gibt es Anpassungsbeobachtungen. Wenn der Klimawandel das Nahrungsangebot verändert, wirkt sich das auch auf den Bruterfolg aus, so Tim Mattern, aber es gebe Vogelarten, die sich anpassen würden, was aber nicht von jetzt auf gleich passiere. Durch den Klimawandel verändern sich auch die Standortvorkommen. Vögel verlegen ihre artbestimmten Areale entsprechend nach Norden, oder Süden und reisen so ihren für sie relevanten, spezifischen Lebensbedingungen hinterher. Oliver Wegener hatte in seinem Referat die Insekten und Schmetterlinge im Fokus. Er griff auf eine Bilanz aus dem Buch „Schützenwerte Lebensräume in Wettenberg” zurück. Hiernach sind in den zurückliegenden drei Jahrzehnten von 31 untersuchten tagaktiven Schmetterlingsarten, etwa 22 Prozent stabil geblieben, rund 13 Prozent haben zugenommen und rund 65 Prozent sind in ihrem Bestand zurückgegangenen. Kurzschwänziger Bläuling, Taubenschwänzchen, Admiral, blauen Holzbiene, Hornissenschwebfliege, kleiner Perlmutterfalter und der ungeliebte Buchsbaumzünsler beleben als wärmeliebende Arten aus dem Süden kommend zunehmend die heimischen Gefilde. Der Mädesüß-Perlmutterfalter gehört zu den Verlierern, woran in erster Linie der Mensch mit seiner intensiven landwirtschaftlichen Nutzung Schuld trägt und den Kreislauf der Lebensräume dieses Edelfalters unterbricht. Wiederum kämpft andererseits die Landwirtschaft mit Schädlingsbefall wie durch die Schilf-Grasflügelzikade, oder die Kirschessigfliege. Fazit der einzelnen Beiträge: Wenn der Mensch nichts tut, wird das Ende des Jahrhunderts ein sehr heißes werden. Jeder Einzelne kann aber etwas tun – Flächenentsiegelung, abwechslungsreiches Gärten und Landschaften schaffen, sind kleine Schritte aber in der Summe wirksam.

Digitalisierter Film der „1200-Jahr-Feier von 1978 in Wißmar” fand großes Interesse, „Rhythm Nation” sorgte für Glühwein und Punsch, Basteleien im Angebot

Vergangenes bewahren, um die Zukunft aus Erfahrung zu gestalten – Neue, auch junge Mitglieder bei der Heimatvereinigung herzlich willkommen

Blick in die Runde beim Hoffest der Heimatvereinigung Wißmar. (Foto: Klaus Waldschmidt)

Wettenberg-Wißmar (ws). Dass die Heimatvereinigung Wißmar mit ihrem vielfältig mit Exponaten, historischen Erinnerungen und Unterlagen bestückten Heimatmuseum Ortshistorie hautnah erlebbar macht, bewies das ausgezeichnet besuchte „Hoffest” am Museum. Vorsitzender Tilo Herzberger und der 2.Vorsitzende konnten am Ende eine positive Bilanz des Festes ziehen und dankten dem großen Helferteam für Organisation und Realisation.

Ihre Verbundenheit zu „ihrem” Heimatmuseum bewiesen die Wißmarer mit einem ausgezeichneten Besuch des „Hoffestes” im illuminierten Ambiente des Museums und der Scheune, gerade auch in den Abendstunden. Die Tanzgruppe „Rhythm Nation” unterstützte in bewährter Weise das Fest nach besten Kräften mit ihrem Punsch- und Glühweinstand im Hof.

Ein besonders „Highlight” fand im Vortragsraum im Obergeschoss der Scheune statt: Hier wurde das groß gefeierte Jubiläum der „1200 Jahr-Feier von Wißmar” aus dem Jahre 1978 eindrucksvoll lebendig. Nunmehr steht alsbald die 1250-Jahrfeier des Wettenberger Ortsteiles in 2028 auf der Agenda. Der Jubiläumsfilm, der in bester digitaler Qualität über die „Leinwand” lief und eines der herausragenden Ereignisse der Wißmarer Ortshistorie lebendig werden lässt – ist auch für künftige Generationen interessant.

Die Besucher konnten Exponate des Heimatmuseums, bewundern. Derweil kam im Hof Volksfeststimmung zur Adventszeit auf. Bei Fettebroten, Hausmacher Wurstbroten, „Hanjer-Griebenschmalz” und Jagertee sowie frischen Waffeln und „Dampf-Kartoffeln”. Derweil wurden im ehemaligen Post-Saal beim Basar kreative Basteleien und anderes angeboten. Hier war auch Autorin Erika Weimer mit ihrem Bücherstand vertreten. Die Heimatvereinigung, die der weil 200 Mitglieder zählt, freut sich besonders wegen der Überalterung auf neue Mitglieder, die die Ortshistorie im Verein weitertragen und den Verein beleben. Insgesamt ein mehr als gelungenes „Hoffest”.

Pfarrer Dr. Soonmyung Kwon durch Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, Dr. Hartmut Sitzler in sein Amt eingeführt

Zweite Wettenberger Pfarrstelle nunmehr wieder besetzt

Wettenberg-Krofdor-Gleiberg (ws). Da war die Freude in Wettenberg war am 2. Advent groß: Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, Dr. Hartmut Sitzler, führte den neuen Pfarrer der Kirchengemeinde Wettenberg, Dr. Soonmyung Kwon, im Festgottesdienst in der Margarethenkirche in Krofdorf sein Amt ein. Damit ist die zweite Wettenberger Pfarrstelle wieder besetzt.

Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, Dr. Hartmut Sitzler (3.v.l.), führte den neuen Pfarrer der Kirchengemeinde Wettenberg, Dr. Soonmyung Kwon (Mitte vorne) in sein neues Amt ein – hier zusammen mit dem Presbyterium, Assistenten und Gästen im Altarraum beim Gruppenfoto in der Krofdorfer Margaretenkirche. (Foto: Klaus Waldschmidt)

In der nahezu voll besetzten Kirche hatte für das Presbyterium Ralf Volgmann die Gäste und Besucher, darunter auch Wettenbergs Bürgermeister Marc Nees und der frühere Bürgermeister Günter Feußner, sowie die Gäste aus der seitherigen Kirchengemeinde von Dr. Kwon, herzlich willkommen geheißen. Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes hatte Elke Kurth an der Orgel übernommen. Leider konnte der Singkreis den Gottesdienst musikalisch nicht mitgestalten. Nach dem gemeinsam gesunden Lied „Tochter Zion”, führte Dr. Hartmut Sitzler aus: „Pfarrer Dr. Kwon wird nicht in Krofdorf, sondern in Wettenberg für alle drei Kirchengemeinden mit gleichem Rang eingeführt. Die drei Gemeinden bilden eine vereinigte Kirchengemeinde. Sie bilden alle zusammen eine Gemeinschaft.” Der gemeinsame Geist liege ihm am Herzen, gerade in einer Zeit, in der es immer schwerer werde, dass Menschen gemeinsam an einem Strang zögen. „Christen sind nicht unrealistisch. Glauben ist mehr als Wissen, Glaube ist Wissen und hoffen, gerade in einer zeit in der Tradition durch Internettrends ersetzt werde”, so Dr. Sitzler weiter und rief der Gemeinde zu „Steht auf, erhebt Eure Häupter”. – Unter Assistenz des ehemaligen Wettenberger Pfarrers Christoph Schaaf und Annemarie Scharnagel vom Kirchenvorstand führte der Superintendent dann Pfarrer Dr. Soonmyung Kwon in sein neues Amt in Wettenberg ein. Segenszusprüche und -wünsche schlossen sich an.

In seiner Predigt über den Text aus Lukas 21 „…steht auf, erhebt eure Häupter…” führte Pfarrer Dr. Kwon aus: „Advent steht für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Advent ist mit Warten verbunden. So wie wir am Flughafen auf einen geliebten Menschen warten. Man ist gespannt und in Erwartung.” Der Text rege zur Frage an „Was ist uns wichtig? „Wir hoffen, dass wir in unsicheren Zeiten bestehen – das Wort Gottes bleibt ewig. Wir warten auf Christus, sind zuversichtlich, fröhlich und standhaft.” Nach dem Fürbittengebet durch den Jugendmitarbeiter Markus Schäfer und den Jugend-Diakon Ernest Aquirre, dem Vater unser, dem Segenslied „Herr, wir bitten: komm und segne uns” sowie dem Segen durch Pfarrer Dr. Kwon, klang der Festgottesdienst mit dem Orgelnachspiel aus.

Zur Person des neuen Pfarrers: Der 38-jährige Theologe stammt aus Südkorea und bringt vielfältige internationale Erfahrungen mit. In seiner Heimat studierte er Theologie, wurde in der methodistischen Kirche ordiniert und arbeitete sowohl in einer Gemeindekirche als auch als Militärpfarrer. Im Anschluss zog es ihn nach Deutschland, wo er an der Universität Münster promovierte. Seit August 2023 war er in der Evangelischen Kirchengemeinde Mettmann tätig und lernte dort die rheinische Kirche in ihrer ganzen Breite kennen. Die zentrale Herausforderung heutiger Kirche sieht Kwon in einer Sprache, die Menschen wirklich erreicht: „Das Evangelium zeitgemäß zu erklären und zu verkündigen, ist für mich die wichtigste Aufgabe. Nur wenn wir die Lebenswirklichkeiten unterschiedlicher Generationen ernst nehmen, kann Kirche für viele relevant bleiben.”

Empfang des Kirchenvortandes im benachbarten Gemeindehaus mit zahlreichen Grußworten und guten Wünschen: Im Anschluss an den Festgottesdienst fand ein Empfang bei Kaffee und Kuchen im evangelischen Gemeindehaus statt. Hier überbrachten auch die Gäste aus der seitherigen Kirchengemeinde Mettmann, Jürgen Ardmann und Stephanie Franz sowie der Vorsitzende des Gesamtkirchenvorstandes Wettenberg Hein Pape sowie weitere Redner herzliche Willkommensgrüße. Im Rahmen des Empfanges war Gelegenheit den neuen Pfarrer persönlich kennenzulernen.

Am kommenden Freitag, den 19.12.2025 (KW51) findet der letzte Wochenmarkt in diesem Jahr statt. Der nächste Wochenmarkt verabschiedet sich in die Winterpause und findet erst wieder am Freitag, 09.01.2026 (KW02) statt.

Auf einer großen Wiese inmitten von Grigny-sur-Rhône, seit zehn Jahren Wettenbergs zweite französische Partnerstadt neben Sorgues/Provence (1972), wächst ein Wäldchen heran, das den sehr symbolischen Namen „Forêt de Wettenberg” trägt. Nachdem französische Schüler dort 2023 bereits ein Wäldchen von der Größe eines Handballfeldes angelegt hatten, pflanzen am ersten Adventswochenende die Bürgermeister Xavier Odo und Marc Nees einen zwei Meter hohen Eichesprößling aus dem Krofdorfer Forst und einen Ahorn aus Heuchelheimer Anzucht.

Ihnen zur Hand gingen die Gleiberger-Land-Zehntklässlerinnen Lucy Inez Röhrsheim, Malina Maria Morneweg und Katharina Börding aus Krofdorf, der 2. Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg (DFG), Erster Gemeinde-Beigeordneter Ralf Volgmann, sowie Jumelage-Stadtrat Hervé Nouzet. Darüber hinaus stand der Besuch bei den Freunden im Süden der Metropolregion Lyon im Zeichen der Deutschfranzosen-Beteiligung an der Neuauflage des karitativen „Salon des Vins”. Den mit einem Oberhessen-Imbisstand erzielten Erlös von 750 Euro erhielt das Comité de Jumelage Grigny-Koupela für dessen Schulbau-Investitionshilfen in Burkina Faso in der westafrikanischen Sahelzone.

„Wettenberger Wald“-Baumpflanzung in Grigny/Rhône mit den GGL-Schülerinnen Lucy Inez Röhrsheim, Katharina Börding und Malina Maria Morneweg, den Bürgermeistern Xavier Odo und Marc Nees sowie DFG-Vize Ralf Volgmann und, verdeckt, Jumelage-Stadtrat Hervé Nouzet.

Marc Nees erinnerte daran, dass der neue Boule- und Kinderspielplatz an der Wißmarer Straße in Krofdorf nach Grigny benannt sei. Nun folge die Antwort darauf: Der künftige „Wettenberger Wald” sei „ein Ort, der symbolisch für die Verbindung unserer beiden Gemeinden steht.” Immerhin sei mehr als die Hälfte der Wettenberger Gemarkung bewaldet. Die junge Eiche aus dem Krofdorfer Forst möge „wachsen wie unsere Freundschaft – stetig, vertrauensvoll und über viele Jahre hinweg”. Volgmann freute sich bei seiner Ansprache, dass die GGL-Schülerinnen und deren Französisch-Lehrerin Natalie Schwarz mit zur Delegation zählten. Es sei der Gemeinde als Träger der Partnerschaft und den Deutschfranzosen als operativem Jumelage-Partner ein unbedingtes Anliegen, junge Menschen in das Austauschgeschehen einzubinden. Solle eine Partnerschaft Zukunft haben, brauche sie die Jugendlichen von heute – sie personifizierten „die Zukunft”. Daran halte man fest.

Die „Weinmesse” des Comité de Jumelage Grigny-Koupela/Burkina Faso fand zum 28. Male statt. Zugegen waren 40 Winzer aus allen önologisch relevanten Gegenden Frankreichs; von Burgund bis Bordeaux, von der Loire bis zu den Côtes du Rhône, vom Minervois bis zum Elsass. Ergänzt werden die „guten Tropfen” durch andere „Terroir”-Produkte, etwa diverse Käse, Austern, Pasteten, Schinken und Würste oder Weinbergschnecken und bretonische Leckereien aus Meeresfrüchten. Die Besucherzahl pro Jahr liegt bei rund 1200 Personen. Seit 2018 sind die Wettenberger Deutschfranzosen mit im Boot, da die Entwicklungspartnerschaft der Grignerots mit Koupela seit Beginn auf der Agenda der Gemeinde-Partnerschaft steht.

Die Wettenberger Deutschfranzosen-Delegation mit GGL-Abordnung am Oberhessenstand im Rahmen des „Salon des Vins“ in Grigny/Rhône.
Fotos: privat (no).

Zum gut nachgefragten Angebot der Oberhessen zählten traditionell Licher Bier, „Goldhälschen” und aus dem Fass, die vielgelobten Bratwürste von der Metzgerei Mandler in Kinzenbach sowie schmackhafter Christstollen aus der Backwaren-Manufaktur von Norbert Seidl in Krofdorf. Die GGL-Schülerinnen trugen mit frischen Waffeln („Gaufres”) zum Umsatz bei. Ralf Volgmann und dessen Ehefrau Margitt waren einmal mehr die nimmermüden Aktivposten bei der Standorganisation. DFG-Ehrenmitglied Guido Hofmann agierte wie seit Jahren als bienenfleißiger Grillmeister und Zeugwart.

Unbedingt zu notieren ist abschließend der rundum herzliche Empfang, zu dem namentlich Erste Stadträtin Isabelle Gautelier und Jumelage-Stadtrat Hervé Nouzet tatkräftig beitrugen. Am Abend des Ankunftstages waren die Wettenberger zu Gast in der Heimstatt des Mehrspartenvereins „Excelsior” mit dem umsichtigen Präsidenten Dominique Iaria an der Spitze. Dessen Akteure hatten im Frühjahr den Krämermarkt Wißmar und die Grignyplatz-Einweihung bereichert. Für die GGL-Delegation organisierten die Gastgeber eine Fahrt ins Nahe Römer-Städtchen Vienne. Für 2026 plant die Gesamtschule eine Bildungsfahrt nach Lyon – und Grigny/Rhône.

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