Schüler aus Wettenberg und Biebertal erlebten einen tollen Tag beim Aeroclub Lützellinden

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Was der Sänger und Liedermacher, Reinhard Mey, meinte in seinem Songtext „Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein”, durften jetzt 30 Schüler aus Wettenberg und Biebertal erfahren, die Gäste beim Aeroclub Lützellinden waren. Highlight eines spannenden Ferienspieltages rund um die Fliegerei waren selbstverständlich die Rundflüge mit der Cessna 172 „Golf-Golf” und einer Piper PA-28 „Alpha-Kilo”. Bereits auf dem Flugfeld sah man in nördlicher Richtung die drei heimatlichen Erhebungen. Eine für die Sieben- bis Sechszehnjährigen völlig neue Perspektive bot sich aus 800 Meter Höhe. Da nahmen sich die markanten Landmarken von Gleiberg, Vetzberg und Dünsberg ganze anders aus. Knapp 10 Minuten dauerte die luftige Rundreise pro Flug. Doch bevor es in die Lüfte ging, gab es am Boden bereits ein interessantes Programm. Torsten Laufer, der Vorsitzenden des Aeroclubs, begrüße die jungen Gäste mit ihren Eltern, teilweise Großeltern und dem Betreuerteam aus den Jugend- und Familienbüros der Gemeindeverwaltungen Wettenberg und Biebertal. Er berichtete kurz vom Flugplatzalltag und der 57jährigen Vereinsgeschichte. Betreute Stationen am Boden verkürzten die Wartezeit auf die Rundflüge. Da war zunächst der Turm und seine Bedeutung, Startfreigaben Funkphasen zwischen Lotsen und Piloten und wie wichtig Funkdisziplin ist, erfuhren die Gäste. An der Wetterstation ging der Blick gen Himmel, der zwar wolkenverhangen, aber ohne Sichtflugbeeinträchtigung war. Wolkenbilder und wie ausschlaggebend das Wetter für die Fliegerei ist, lernten die Teilnehmer. Navigation und alles, was damit zu tun, erfuhr man an der nächsten Station und bevor die Flieger bestiegen wurden, vermittelten die Experten noch Wissen zur Flugzeugtechnik. Im Cockpit blickten die jungen Passagiere dann auf Höhenmesser, Fahrtmesser und Drehzahlanzeige. Mit rund 180 Stundenkilometer wurden die heimatlichen Gefilden überflogen. Thomas Wagner, zuständig für „Öffentlichkeitsarbeit” freute sich über die überaus positive Resonanz der Kinder und ihrer Eltern und verwies auch dankbar an die 13 Mitglieder des Clubs, die diesen Tag ehrenamtlich mit unterstützten. Ein rundum gelungenes Ferienspielangebot, mit Bildungsauftrag, vor allem hinsichtlich der Wissensvermittlung an den Stationen. Ehrengast war der 97jährige Robert Schuchmann, Gründungsmitglied des Aeroclubs Lützellinden. der gerne mit den Betreuern sowie den Eltern und Schülern das Gespräch suchte. Übrigens fand das Programm noch an zwei weiteren Statt, mit insgesamt 90 Ferienspielteilnehmern, darunter auch die auch Wetzlar und Gießen.

Sporthalle um 1960

(Foto: Fotofreunde)

(vm).Die beiden Vorsitzenden des TSV Krofdorf-Gleiberg, Kay Drescher und Dr. Jürgen Leib, erinnerten dieser Tage an ein wichtiges historisches Datum im Sinne des Sports: Am 8. August 1926, also vor 100 Jahren wurde der Grundstein für den Bau der Turnhalle des Turnvereins Krofdorf gelegt. Ein halbes Jahrhundert später rollten die Bagger an und rissen das Gebäude ab. In den beiden darauffolgenden Jahren wurde an gleicher Stelle die heutige Mehrzweckhalle errichtet. Vor Errichtung der Turnhalle mussten der Turnverein Krofdorf sowie die beiden Freien Turnerschaften Gleiberg und Krofdorf, die sich 1945/46 zum TSV Krofdorf-Gleiberg zusammenschlossen, ihr Training im Saal einer Gaststätte, oder auf freien Plätzen im Dorf behelfsmäßig durchführen. Anlässlich der Grundsteinlegung der Turnhalle wurde eine Zeitkapsel mit einer Urkunde in die Fundamente eingemauert, aus der die lange und schwierige Vorgeschichte ersichtlich ist. 1909 scheiterte ein erster Versuch des Hallenbaus daran, dass die Vereinsmitglieder eine Beitragserhöhung zur Bildung eines Baufonds ablehnten. Nach dem 1. Weltkrieg griff man ab 1922 das Thema wieder auf. Eine Baukommission beschloss zwei Mal eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags, kaufte Bauholz, erwarb Grundstücke und machte sich mit sehr viel Eigenhilfe ans Werk. Die Finanzierung konnte durch Eigenmittel, Kredite und den Verkauf von Anteilscheinen an Vereinsmitglieder sichergestellt werden. Die offizielle Halleneinweihung fand am 20. Oktober 1928 in Anwesenheit einer Festversammlung von rund 700 Personen statt. Dabei wurde eine Gedenktafel enthüllt, die die Aufschrift „Karl und Adolf Heyer in treuem Gedenken” enthielt. Karl Heyer hatte im Gedenken an seinen verstorbenen und im Turnverein tätigen Sohn Adolf eine großzügige Grundstücksübereignung vorgenommen, ohne die der Hallenbau vermutlich nicht zustande gekommen wäre.

Kinderfest 1938 auf der Wiese vor der Turnhalle

(Foto: Fotofreunde)

Große Verdienste um den Hallenbau erwarb auch Sally Süßkind, der 1922 zum Vorsitzenden des Bauausschusses gewählt wurde. Er fuhr unter anderem nach Berlin, um Dr. Eduard David, prominentes Gründungsinitiator des Turnvereins Krofdorf um Unterstützung für den Hallenbau zu gewinnen. Er war erster Präsident der Weimarer Nationalversammlung, Reichsminister des Innern und jahrzehntelang Angehöriger des deutschen Reichstags. Sally Süßkind war Jude. Für ihn war es sehr bitter, als er am 24. Mai 1933 auf Druck der Nazis nach 37jähriger Mitgliedschaft aus „seinem” Turnverein ausgeschlossen wurde. Die Turnhalle war jahrzehntelang Heimat für sportliche und kulturelle Nutzung. Hier trainierten beispielsweise die Turn- und Gymnastikgruppen des TSV, Radballer und Kunstradfahrerinnen des Radsportvereins trugen ihre Wettkämpfe aus, verschiedene andere Vereine feierten Jubiläen und die Karnevalisten ließen Jahr für Jahr ihre närrischen „Raketen” steigen. Leider war die Halle nur durch einen einzigen großen „Bollerofen” zu beheizen. Deshalb musste bei Kulturveranstaltungen oft tagelang vorher geheizt werden und im Winter gab es immer Stress, wenn die zeitweise auch in der Halle trainierenden Fuß- oder Handballer die durch Maschendraht nur unzureichend geschützte Fensterscheiben zertrümmert hatten, weiß Jürgen Leib nach Recherchen zu berichten. Spätestens ab 1960 genügte die alte Turnhalle nicht mehr den neuzeitlichen Entwicklungen und Anforderungen. Da der TSV den Bau einer neuen Sporthalle finanziell nicht stemmen konnte, beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung 1964 die kostenlose Übereignung der Halle (besser: den Verkauf zu einem symbolischen Preis) und des anschließenden vereinseigenen Geländes in einer Größe von 4.500 Quadratmetern an die Gemeinde Krofdorf-Gleiberg. Diese errichtete 1969 die später nach Eduard-David benannte Großsporthalle und 1972 die anschließende Außenanlage für Ballsportarten und Leichtathletik und unmittelbar angrenzender Nachbarschaft zur Mehrzweckhalle. Hier in der Mehrzweckhalle konzentriert sich das kulturelle Leben der Gemeinde, wie beispielsweise die regelmäßigen Aufführung der Weihnachtsmärchen und die Fremdensitzungen.

Jürgen Leib (links) und TSV-Vorsitzender Kay Drescher, vor der Mehrzweckhalle, deren Eingangsbereich wegen seinerarchitektonischen Besonderheit vom Volksmund „Giraffentränke” getauft wurde

(Foto: Volker Mattern)

Jürgen Leib (4.v.r.) leitet die heimatkundliche Exkursion

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Grenzen trennen, können fließend sein, überdauern lange und machmal auch nur kurze Zeiträume. Weilburg liegt etwa 50 Kilometer von Gießen entfernt. Da war die Frage berechtigt, warum es ein Straßennamensschild „”Weilburger Grenze” an der Pereferie der bebauten Gießener Ortslage gibt. Die Frage sollte nicht unbeantwortet bleiben und auch auf viele andere Fragen hatte, Dr. Jürgen Leib eine Antwort. Ihn konnte der Heimat- und Geschichtsverein Krofdorf-Gleiberg für eine spannende, mehrstündige geschichtshistorische Exkursion gewinnen. An der Stelle mit dem Straßennamensschild „Weilburger Grenze”, verläuft heute die Gemarkungsgrenze zwischen Gießen und Wettenberg. Der Hinweis hat also nur historische Bedeutung. Dennoch ist die Geschichte dahinter spannend und mit großer Sach- und Fachkenntnisse vermittelte Jürgen Leib den Teilnehmern die Zusammenhänge, die zurückzuführen sind um das Jahr 1150 und die Teilung der Grafschaft Gleiberg. Seit Jahrhunderten habe die alte Landesgrenze Bestand gehabt, was zusammen hing mit wechselnden Machtverhältnissen, zwischen den Herren von Tübingen, den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, den Herren von Merenberg und den Grafen von Nassau-Weilburg bis 1816 das Gebiet schließlich an Preußen fiel. Die Exkursion durch verschiedene Punkte im mittleren Lahntal führte dann in die neuere Geschichte. Jürgen Leib erinnerte am Werner-Gleim-Damm an die bereits in den 1970er Jahren angestrengten Überlegen der Stadt Gießen, die Weststadt durch einen Deich vor Überflutungen zu schützen. 2009 wurde der Damm nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt. Man blieb in der Gegend und nicht weit weg liegt die „Gummiinsel”. Welche Wandlung dieses einstige Notquartier in der Weststadt zum Kulturdenkmal vollzog, ist hoch interessant und ein Beispiel gelungener städtebaulicher Entwicklung unter Beachtung sozialer Komponenten. Im Städtebauförderungsprogramm verankert und zweimal im Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus”erhielt das Quartier durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit als Premiumprojekt die entsprechende Auszeichnung. Weiter ging die Runde mit privaten PKWs zu den Heuchelheimer-Dutenhofener Seen. Heute Magnetpunkte für Freizeitnutzung sind sie Zeugen gelungener Rekultivierung einstigen großflächigen Abbau gebundener Sand-, Kies- und Schottervorkommen. Den Landkreis Gießen verlassen machten die Teilnehmer Halt an der Schleuse von Dorlar, einem historischen Erbe der Lahnschifffahrt, was zurückgeht bis in die Römerzeit, wo der Fluss Bedeutung erlangte als Handels- und Transportweg. Der Dom von Wetzlar und der Kalsmunt kamen in Sichtweite und das die alte Goethestadt und ehemals freie Reichsstadt mit Sitz des Reichskammergerichtes mehr ist als Buderus und Leitz, konnte Jürgen Leib vor Ort an vielen Punkten fest- und deutlich machen. Verschont von den Bombardierungen der Alliierten im 2. Weltkrieg genießt die Altstadt mit dem Dom als Simultankirche und Wahrzeichen der Stadt einen besonderen Reiz. Durch zahlreiche Orte, Plätze und Bauten wird alte und mittelalte Geschichte sicht- und erlebbar. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Wetzlar zu einem wichtigen Standort für die Schwerindustrie sowie die optische- und feinmechanische Industrie. Wie und warum ein Pferdekopf für Wirbel sorgte und Geschichte schrieb rief der Exkursionsleiter dann am Römischen Forum in Waldgirmes noch einmal in Erinnerung, bevor es wieder zurück in die Heimat ging und der Abschluss auf der geschichtsträchtigen Burg Gleiberg stattfand. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins dankte Jürgen Leib für die Exkursion.

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