100 Jahre Turnhalle Krofdorf-Gleiberg

Sporthalle um 1960

(Foto: Fotofreunde)

(vm).Die beiden Vorsitzenden des TSV Krofdorf-Gleiberg, Kay Drescher und Dr. Jürgen Leib, erinnerten dieser Tage an ein wichtiges historisches Datum im Sinne des Sports: Am 8. August 1926, also vor 100 Jahren wurde der Grundstein für den Bau der Turnhalle des Turnvereins Krofdorf gelegt. Ein halbes Jahrhundert später rollten die Bagger an und rissen das Gebäude ab. In den beiden darauffolgenden Jahren wurde an gleicher Stelle die heutige Mehrzweckhalle errichtet. Vor Errichtung der Turnhalle mussten der Turnverein Krofdorf sowie die beiden Freien Turnerschaften Gleiberg und Krofdorf, die sich 1945/46 zum TSV Krofdorf-Gleiberg zusammenschlossen, ihr Training im Saal einer Gaststätte, oder auf freien Plätzen im Dorf behelfsmäßig durchführen. Anlässlich der Grundsteinlegung der Turnhalle wurde eine Zeitkapsel mit einer Urkunde in die Fundamente eingemauert, aus der die lange und schwierige Vorgeschichte ersichtlich ist. 1909 scheiterte ein erster Versuch des Hallenbaus daran, dass die Vereinsmitglieder eine Beitragserhöhung zur Bildung eines Baufonds ablehnten. Nach dem 1. Weltkrieg griff man ab 1922 das Thema wieder auf. Eine Baukommission beschloss zwei Mal eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags, kaufte Bauholz, erwarb Grundstücke und machte sich mit sehr viel Eigenhilfe ans Werk. Die Finanzierung konnte durch Eigenmittel, Kredite und den Verkauf von Anteilscheinen an Vereinsmitglieder sichergestellt werden. Die offizielle Halleneinweihung fand am 20. Oktober 1928 in Anwesenheit einer Festversammlung von rund 700 Personen statt. Dabei wurde eine Gedenktafel enthüllt, die die Aufschrift „Karl und Adolf Heyer in treuem Gedenken” enthielt. Karl Heyer hatte im Gedenken an seinen verstorbenen und im Turnverein tätigen Sohn Adolf eine großzügige Grundstücksübereignung vorgenommen, ohne die der Hallenbau vermutlich nicht zustande gekommen wäre.

Kinderfest 1938 auf der Wiese vor der Turnhalle

(Foto: Fotofreunde)

Große Verdienste um den Hallenbau erwarb auch Sally Süßkind, der 1922 zum Vorsitzenden des Bauausschusses gewählt wurde. Er fuhr unter anderem nach Berlin, um Dr. Eduard David, prominentes Gründungsinitiator des Turnvereins Krofdorf um Unterstützung für den Hallenbau zu gewinnen. Er war erster Präsident der Weimarer Nationalversammlung, Reichsminister des Innern und jahrzehntelang Angehöriger des deutschen Reichstags. Sally Süßkind war Jude. Für ihn war es sehr bitter, als er am 24. Mai 1933 auf Druck der Nazis nach 37jähriger Mitgliedschaft aus „seinem” Turnverein ausgeschlossen wurde. Die Turnhalle war jahrzehntelang Heimat für sportliche und kulturelle Nutzung. Hier trainierten beispielsweise die Turn- und Gymnastikgruppen des TSV, Radballer und Kunstradfahrerinnen des Radsportvereins trugen ihre Wettkämpfe aus, verschiedene andere Vereine feierten Jubiläen und die Karnevalisten ließen Jahr für Jahr ihre närrischen „Raketen” steigen. Leider war die Halle nur durch einen einzigen großen „Bollerofen” zu beheizen. Deshalb musste bei Kulturveranstaltungen oft tagelang vorher geheizt werden und im Winter gab es immer Stress, wenn die zeitweise auch in der Halle trainierenden Fuß- oder Handballer die durch Maschendraht nur unzureichend geschützte Fensterscheiben zertrümmert hatten, weiß Jürgen Leib nach Recherchen zu berichten. Spätestens ab 1960 genügte die alte Turnhalle nicht mehr den neuzeitlichen Entwicklungen und Anforderungen. Da der TSV den Bau einer neuen Sporthalle finanziell nicht stemmen konnte, beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung 1964 die kostenlose Übereignung der Halle (besser: den Verkauf zu einem symbolischen Preis) und des anschließenden vereinseigenen Geländes in einer Größe von 4.500 Quadratmetern an die Gemeinde Krofdorf-Gleiberg. Diese errichtete 1969 die später nach Eduard-David benannte Großsporthalle und 1972 die anschließende Außenanlage für Ballsportarten und Leichtathletik und unmittelbar angrenzender Nachbarschaft zur Mehrzweckhalle. Hier in der Mehrzweckhalle konzentriert sich das kulturelle Leben der Gemeinde, wie beispielsweise die regelmäßigen Aufführung der Weihnachtsmärchen und die Fremdensitzungen.

Jürgen Leib (links) und TSV-Vorsitzender Kay Drescher, vor der Mehrzweckhalle, deren Eingangsbereich wegen seinerarchitektonischen Besonderheit vom Volksmund „Giraffentränke” getauft wurde

(Foto: Volker Mattern)

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