“Windenergieanlagen im Krofdorfer sind ineffizient und zerstören einen bedeutsamen Lebensraum” – Infoveranstaltung von “Windstill.Windstark” mit 300 Gästen

Tim Mattern, Maik Sommerhage, Klaus Richarz, Manfred Delpho, Leonhard Neiberger (v.l.)

(Foto: Volker Mattern)

(vm).War es Zufall? Am 3. März fand eine Informationsveranstaltung des Vereins „Windstill.Waldstark” statt. Der „Tag des Artenschutzes” ist alljährlich auch am 3. März. 1973 wurde im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens ein Abkommen unterzeichnet, wodurch bedrohte, wildlebende Tiere und Pflanzen geschützt werden sollen. Die gibt es auch im Krofdorfer Forst. Hinter dem Thema seiner Informationsveranstaltung „Windkraft im Krofdorfer Forst” hatte der Veranstalter ein Fragezeichen gesetzt. Das Vorhaben des Baues von Windenergieanlagen treibt die Menschen, vornehmlich in Wettenberg, um und spaltet. Knapp 300 Gäste konnte Dr. Tim Mattern vom NaBu Wettenberg im Wißmarer Bürgerhaus begrüßen – er moderierte den Abend, bei dem durch zwei Fachvorträge Argumente auf den Tisch gelegt wurden, die sich klar gegen den Bau solcher Anlagen im größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens wenden. Dies nicht, aus grundsätzlichen Erwägungen, sondern basierend auf Ergebnissen von Studien, Forschungen und wissenschaftlichen Untersuchungen, wonach belegbar negative Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt als sicher gelten. Immer wieder gab es viel Applaus und der war durchaus Indiz dafür, dass die meisten der Gäste das Vorhaben wohl ebenfalls ablehnen. Artenkrise und Klimakrise müssten aber stets zusammen gedacht werden, sagte Tim Mattern und auch die Referenten unterstrichen, dass Klima- und Artenschutz nicht gegeneinander ausspielt werden sollen. Darauf verwies auch Leonhard Neiberger, Sprecher des Vereins. Windräder im Krofdorfer Forst seien aber nachgewiesen ineffizient. Maik Sommerhage, Vorsitzender des NaBu Hessen, befasste sich in seinem Vortrag, „Windenergie und Artenschutz – Forderungen für einen naturverträglichen Ausbau” mit diesem Spannungsfeld. Dabei machte er zunächst deutlich, dass man die Notwendigkeit der Energiewende nicht in Frage stelle, aber sie müsse naturverträglich erfolgen. Der Krofdorfer Forst ist bekannter Maßen ein in sich geschlossenes und nahezu unzerschnittenes Waldgebiet, mit Fauna-Flora-Habitat und besitzt einen sehr hohen, ganzheitlichen Wert für Mensch, Tier und Pflanze. Der Krofdorfer Forst sei kein Vorranggebiet für Windenergieanlagen, so Maik Sommerhage, denn er beinhalte eine Fläche von gut 800 ha FFH-Gebiet und auch die Randbereiche seien naturschutzfachlich von Interesse. Zudem belebten wertgebende Arten, wie beispielsweise Kammmolch, Schwarzstorch, verschiedene Fledermausarten und die Wildkatze, dieses Waldgebiet. Naturräume würnden immer mehr zurückgedrängt durch einen multifaktoriellen Landschaftswandel, hervorgerufen durch zunehmende Verkehrsdichte, Siedlungswachstum, Intensivierung von Land-und Forstwirtschaft und die Energiewende. Zum aktuellen Stand der Windenergie in Hessen sprach er von derzeit rund 1 Prozent der Landesfläche, das bedeute 1.200 Anlagen. Das Ziel des Hessischen Energiegipfels nach Fukushima sieht 28 Terawattstunden vor. Bei 10 ha pro Windenergieanlage wären das etwa 3000 Anlagen, laut dem Landesentwicklungsplan und somit knapp 2 Prozent der Landesfläche, inbegriffen der Wald, der über 40 Prozent dieser Fläche ausmache. Die gesetzlichen Regelungswerke auf EU-Basis sowie des Bundes und der Länder favorisieren die Windenergie zu Lasten des Individuenschutzes. Die Folgen der Ampelregierung mit dem 4. Gesetz zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes hätten für Hessen die Konsequenzen einer nur geringen Einflussnahme auf beplante Vorranggebiete und sogar Planungen darüber hinaus seien möglich, um die Landesziele zu erreichen. „Es wäre besser gewesen, wenn der Bund dem hessischen Ansatz gefolgt wäre, da man auf einem guten Weg war”. Maik Sommerhage fordert eine großräumige Regionalplanung und weniger Polemik von beiden Seiten in den Diskussionen um Windkraft vor Ort. Abweichungsverfahren werden nicht unsere Unterstützung finden und wir werden ggf. alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, so seine klare Ankündigung. „Warum Windenergie im Wald so kritisch ist”, erläuterte anschließend der Naturschutzexperte, Dr. Klaus Richarz, in seinem Vortrag. Windkraftanlagen im Wald können grundsätzlich Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Arten beeinträchtigen, Kollisionen verursachen, oder als Barriere in essenziellen Flugkorridoren wirken. Anhand des Rotmilans, von dem 50 Prozent der Weltpopulation in Deutschland brütet und davon wiederum 10 Prozent in Hessen, machte der deutlich, wie gefährdet diese Vögel sind. 75 Prozent aller Ortungen lägen innerhalb eines Radius von 2 Kilometer um das Nest, was ein signifikantes Tötungsrisiko beinhalte. Beim Schwarzstorch sei ein hohes Meideverhalten im Horstumfeld zu verzeichnen, was den Bruterfolg beeinträchtige, da dieser mit einer längeren Besetzungsdauer des Brutplatzes steige. Der Referent kritisierte die Unterschreitung von Mindestabstandsempfehlungen für Brut- und Rastplätze. Teilweise würden durch Erlasse diese weitgehend außer Kraft gesetzt. Dramatische Folgen auch für die verschiedenen Fledermausarten, von denen jährlich in Deutschland bis zu 250.000 den Windenergieanlagen zum Opfer fallen. Kollisionen und ein Platzen der Lungen infolge Druckunterschiede in Anlagennähe seien die häufigsten Todesursachen. „Im Krofdorfer Forst wären die durch den Bau von Windkraftanlagen verursachten Schäden nicht nur als vernachlässigbar, sondern als erheblich einzustufen seien, prognostizierte Klaus Richarz. Auch er bemühte gesetzliche Regelungen und verwies darauf, dass die EU-Notfallverordnung es ermögliche, stark verkürzte, artenschutzrechtliche Prüfungen vorzunehmen, und gar eine Eingriffskompension durch geldwerte Ausgleichsmaßnahmen, also ein Freikaufen, vorsehe. Zudem könnten mit der Gemeindeöffnungsklausel Kommunen ihre Flächen für Anlagen ausweisen, die nach der Regionalplanung bislang ausgeschlossen waren. Die Bürger Wettenbergs könnten sich glücklich schätzen, ein so großes Waldgebiet vor der Haustür zu wissen. Mit dem Urnengang bei der Kommunalwahl könne jeder durch seine Stimme mit beeinflussen, wohin die Reise künftig hinginge, sagten beide Referenten. Der Naturfotograf Manfred Delpho, präsentierte abschließend in seiner Multivisionsschau „Im Reich der urigen Buchen”grandiose Naturaufnahmen aus dem Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Windenergieanlagen im Krofdorfer Forst sind ineffizient und würden wertvollen Lebensraum zerstören

(Foto: Volker Mattern)

Diesen Beitrag teilen:
Facebook
WhatsApp
Twitter
Email
Werbung
SPD_Finalanzeige_KW11
Werbung
Blum_Schrott_KW15
Werbung
Pietaet_Neu_ab_KW_26
Folgen Sie uns schon?

Social Media

Wöchentlich im Postfach

Newsletter

Verpassen Sie keine relevanten News aus der Region, abonnieren Sie unseren Newsletter.

mich interessieren...
×
Du kannst noch Artikel kostenlos lesen. Neugierig auf alles aus deiner Gemeinde? Werde Teil des Amtsblatt Wettenberg!