Voller Ironie, Witz und Tiefgang – “Herr Petermann & die Combo” begeisterten auf Burg Gleiberg

Von ironischen Liedern geblendeter Konsumenten bis zur schlagerartig verpackten Mundart versprühte „Herr Petermann & die Compo”, Witz, Charme und intelektuelle Klasse in musikalischer Perfektion – Peter Herrmann, Lisa Marie John, Anna Daum und Ralf Gräbe (v.l.)

(Foto: Volker Mattern)

(vm). Echt und unverfälscht, manchmal derb, aber auch mit Tiefgang und zeitkritisch, auf jeden Fall bodenständig und nie oberflächlich: „Herr Petermann & die Combo” begeisterten auf Burg Gleiberg und die junge Formation um Bandleader, Peter Herrmann, hatte sich vor noch nicht allzu langer Zeit erst wieder neu zusammengefunden, hervorgegangen aus Musicalmitstreitern von „Band of Pearls”. Alles passte, was man gemeinhin als „Chemie” bezeichnet, wenn Harmonie, blindes Verstehen und gegenseitiges Vertrauen die Oberhand haben und Sangeskunst und Virtuosität im Instrumentenspiel die Zutaten sind. Unterhaltung auf höchstem Niveau – das spürte auch das Publikum im Rittersaal schnell. Dorthin hatte es den konzertanten Nachmittag verschlagen, der eigentlich auf dem Burghof stattfinden sollte. Die Witterung hätte dies aber zu einem Wagnis werden lassen. Der Gleiberg-Verein als Veranstalter entschied spontan und es war sicher keine schlechte Lösung. Die Lokalität bot eine Atmosphäre, die eine besondere Nähe zwischen Künstlern und den 100 Gästen leicht machte. Peter Herrmann fühlt sich ohnehin wohl, wenn er in dem historischen, denkmalgeschützten, tausend Jahre alten Bauwerk spielen darf, egal mit wem an der Seite. „Wir sind jung, schön und sexy” ist Teil einer Botschaft im Lied „Kaufen”, aus dem Musical „Samis Welt”, mit dem das Quartett startete. So klingt’s, wenn Ironie von Heiterkeit transportiert wird. Lisa Marie John und Anna Daum, hatten nicht nur bei diesem Stück meist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Mit ihren bemerkenswerten, ausdrucksstarken Stimmen, faszinierte das Gesangsduo. So zelebrierten sie jeden einzelnen der 20 Beiträge, die als Puzzle, zusammengesetzt aus verschiedenen Musicals und neuer Werke, sich nach zweieinhalb Stunden zu einem Gesamtkunstwerk fügten. Peter Herrmann, Komponist, Bassist, mit einer Menge Erfahrung als exzellenter Musiker, durfte sich in seiner Entscheidung bestätigt fühlen, mit diesem kleinen Ensemble, mal ein anderes, ein besonderes Format zu probieren. Ralf Gräbe gehörte dazu, der mit traumwandlerischer Sicherheit durch sein Gitarrenspiel immer wieder passend interagierte, auch mit Peter Hermann, wenn der mal seine Bassgitarre zur Seite legte und selber die Saiten einer Akustikgitarre zupfte. Ralf Gräbe ließ das Publikum übrigens auch mit einer Art Sprechgesang nahezu erschautern, als er theatralisch den Bau der Burg beschrieb. Es war nie langweilig, schon gar nicht eintönig und vierstimmiger Gesang ließen immer wieder genauso aufhorchen wie ein spontaner Querflöteneinsatz durch Lisa Marie John, oder Anna Daum mit dem Kazoo und auch mal durch den Einsatz eines Percussioninstruments. Viele Stilelemente waren rauszuhören, aber weder Blues, noch Schlager, Jazz, Gippsy, oder, Folk dominierten. Peter Herrmann hatte bereits im Vorfeld unterstrichen, dass das Konzert keiner bestimmte Stilrichtung behaftet sei. So lautete der Anspruch, wie auch die weitere bemerkenswerte Besonderheit, dass insbesondere Texte aus den Musicals stets einen regionalen Bezug hatten, „Geschichten aus der Geschichte”, wie er es beschrieb und alle Stücke entstanden in seinem Kopf, flossen aus seiner Feder. So auch Jenes von Anna, Tochter des letzte Gleiberger Grafen, die klagt, wie trostlos es im goldenen Käfig ist. Ohne Dialekt wäre so manche Darbietung vielleicht unglaubwürdig und es klingt auch viel authentischer, wenn der „Händler über die Kurhessische Landstraße kommt (Grünberg)” und vom „Huuläbber” und „Labbeduddel” singt. Kein Beitrag hätte es verdient, hervorgehoben zu werden und dennoch besonders beispielsweise „Der Poet – er ist zu spät”. Eine tiefe Traurigkeit, gepaart mit Leichtigkeit, versprühten Stimmen und Instrumente mit unnachahmlichen Wohlklang und unfehlbarer Wirkung. Ähnlich dem Lied, welches Urlaubserinnerung von Peter Herrmann in Sardinien transportierte, mit passendem Titel, „Der alte Mann, das Meer und die geifernde Ehefrau”. Es folgte „Alle lieben Griebenschmalz” und dann als Wechselbad für Gefühle bestens geeignet, das „Lied vom Flieger”, mit mahnenden Erinnerungen an die unsägliche Bombennacht in Gießen – was geht im Kopf eines Piloten vor? Bei der „Alten Burschen Herrlichkeit” kommt die damalige Wirtin der Burg Gleiberg zu Wort, als vor etwa 250 Jahren die Gießener Studentenschaft auf die Burg zog, um zu bekunden, nach ihren Sauf- und Raufgelagen eine „gerechte und freie Lehranstalt” gründen zu wollen. Mit den folgenden Songs blieb das Quartett gedanklich weiter in Gießen und es war nicht schwer zu erraten, welche Lokalität gemeint war, wo man „sieben Stufen nach unten” steigen musste und die „Klos naturbelassen waren”. Wie ein Sommernachtstraum mutete indes die Vertonung des Herrmann Hesse-Gedichtes „Julikinder” an. Kein Blatt vor den Mund nahmen anschließend die vier Künstler in ihrem sozialkritischen Stück „Wer nichts wird, wird Wirt”, um aber vielmehr beim Blick auf die Aktualität der Ereignisse unverblümt zum Ausdruck zu bringen, „Wer nichts kann, wird Manager” und „Wer ein Arschloch ist, wird Lobbyist”. Aus Friedrich Dürrenmatt hatte Peter Herrmann „das Mädchen mit dem Blumenkranz im Haar” vertont. Stehenden Ovationen zeugten am Schluss von Begeisterung und Anerkennung des Publikums für ein rundum gelungenes Konzertereignis. Kräftig wurden am Ausgang die Spendengefäße beim Schatzmeister des Gleiberg-Verein, Karlfried Philipp und dem 2. Gerhard Schmidt, gefüllt, deren Inhalt dem Gleiberg-Verein, respektive dessen Aufgabe, der baulichen Unterhaltung der Burg, zugute kommt. Gerhard Schmidt, der eingangs begrüßt hatte, dankte den Unternehmen GROSS GmbH, TELOGS GmbH und Planungsbüro Zick-Hessler aus dem Wettenberger Ost- bzw. Nordpark für die unterstützende Förderung des Konzertes, wodurch freier Eintritt ermöglicht werden konnte. In der Pause hatte Burggastronom, Axel Horn und sein Team, eingeladen, besondere Leckereien aus fremdländischer Küche zu verkosten.

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