
Reiner Packeiser (mitte m. Gemälde) freut sich über das große Interesse
(Foto: Volker Mattern)
(vm).Kunst öffnet Türen und dies nicht nur im übertragenen, sondern auch im tatsächlichen Sinne. Am kommenden Wochenende (29. u. 30 August) öffnen von 14 bis 19 Uhr 27 Künstler aus Biebertal, Heuchelheim, Lollar, Staufenberg, Wettenberg und erstmals auch Gießen, ihre privaten Ateliers. Zum Auftakttermin hatte Reiner Packeiser in sein Haus, Tulpenweg 5, in Krofdorf-Gleiberg eingeladen. Als Gäste durfte der 63ährige, neben vielen weiteren Künstlern, auch die Bürgermeister Marc Nees (Wettenberg), Patricia Ortmann (Biebertal), Peter Gefeller (Staufenberg), den Beigeordneten Jürgen Steinmüller (Heuchelheim) sowie den Leiter des Kulturamtes der Stadt Gießen, Dr. Stefan Neubauer, willkommen heißen. Wie die Malerei zu einem Verständnis des Lebens beitragen kann, damit beschäftigt sich der Gastgeber. Kein Raum in seinem Haus, der nicht in Form zahlreicher Gemälde versucht, auf unterschiedliche Art und Weise Antworten zu finden. Da es aber DIE EINE Antwort auf diese komplexe Frage nicht gibt, resultiert daraus die Vielfalt der Bilder der Künstlers, der nach seinem Studium in Köln und nachfolgenden Stationen seines künstlerischen Lebensweges, kontinuierliche Ausstellungen in Deutschland, Schweiz, Belgien, Frankreich und der tschechischen Republik veranstaltet und an Kunstmessen teilnimmt. Seit sechs Jahren konzentriert er sich wieder ausschließlich auf die Malerei. Die Bilder von Reiner Packeiser sind allesamt Inszenierungen und die Menschen auf den Ölgemälden keine reellen Personen, sondern frei erfunden. Was er aber aufnimmt bei seiner Malerei sind Inspirationen, die er durch die Menschen in seinem Lebensumfeld und eigenem Erlebten empfängt. Was also keine Portraits sind, hat aber umso mehr die besondere Kraft, Geschichten anders zu erzählen. Das mag ungewöhnlich erscheinen, aber der Ansatz von Reiner Packeiser ist es, den Dingen auf den Grund zu gehen, nicht vorschnell zufrieden zu sein mit vermeindlich unzweifelhaften Antworten und immer auf der Suche nach dem Wie und Warum zu sein. Die Themen, denen er sich dabei widmet, reichen von Trauer und Scham, wie etwa seine nahezu hundert Portraits von Menschen kurz vor ihrer Ermordnung durch die Natiuonalsozialisten, bis hin zu alltäglichen Momenten, zu denen auch die Liebe im Alter gehört. Die Herangehensweise bei seinen Arbeiten sind geprägt von Kompositionen, Farben und Strukturen, sowie Charaktere und der Körpersprache, Kleidung und Szenen, die zu einem stimmigen Bild gebaut werden und wenn im Auge des Kunstschaffenden etwas nicht stimmt, wird korrigiert, so lange, bis manchmal zahlreiche Varianten eines Bildes übereiander liegen und diese Komposition den Künstler zufrieden stellt. Für ihn, so Reiner Packeiser, sei in einer zunehmend digitalen Welt, die Malerei untrennbar mit Handarbeit verbunden. Eine Aussage, die auch die Grußworte von Patricia Ortmann und Marc Nees, während der Eröffnung widerspiegeln. Der Wettenberger Bürgermeister, gleichzeitig auch Schirmherr für die offenen Ateliers in Wettenberg, sprach von beflügelnder Neugier, die durch den Zugang in die Privatspähre entstehe. Das Kunst dort gezeigt werde, wo sie entstehe, mache Austausch und Kommunikation möglich. „Kunst brauchen wir alle”, so Marc Nees. Die Veranstaltung „Offene ARTeliers” verstehe sich bewusst als niederschwellige, kulturelle Einladung für Menschen jeden Alters, für Kunstinteressierte ebenso, wie für Familien, Nachbarn und spontane Besucher, ergänze Patricia Ortmann. Mit der Öffnung der Ateliers als persönliche Räuzme ermöglichen alle teilnehmenden Künstler, unmittelbare Einblicke in ihr Privates, ihre Arbeitsweise und lassen an künstlerischen Prozessen teilnehmen. Mehr unter http://ateliers-gleiberger-land.de.

Reiner Packeiser (2.v.r.) hier mit Marc Nees, Jürgen Steinmüller und Patricia Ortmann (v.l.)
(Foto: Volker Mattern)


