Wettenberg (pm). Das Schicksal der 700 Deportierten aus 22 Nationen, meist politischen Gefangenen aus mehreren südwestfranzösischen Lagern, die – nach sechswöchiger quälender Odyssee – am 18. August 1944 bei gleißender Hitze 17 Kilometer von Roquemaure nach Sorgues zu marschieren hatten, um dort einen neuen, aus Viehwaggons zusammengestellten Zug mit dem KZ Dachau als Ziel zu besteigen hatten, zählt in unserer Partnerstadt Sorgues seit 1990 zum Kanon der Erinnerungskultur. Vor gut 25 Jahren fand dieses bis in die 1980er nahezu unbekannte Kapitel der deutsch-französischen Geschichte Eingang in unser Miteinander.
Selbstredend nahm an der neuerlichen Gedenkfeier wieder eine Delegation der Wettenberger Deutschfranzosen teil. Darunter Vorsitzender Moritz M. Månsson, der zudem zum Präsidium der Amicale des Déportés du Train Fantôme zählt. Dieser national verankerte Freundeskreis war vor rund 35 Jahren – auf Initiative der lokalen Zeitzeugen Robert Silve und Charles Teissier – von überlebenden Deportierten gegründet worden. Mittlerweile halten die unmittelbaren Angehörigen dieser NS-Opfer die Erinnerung wach.
Vor rund 200 Besuchern der Gedenkfeier auf dem 1984 nach Wettenberg benannten Platz vor dem Bahnhof in Sorgues lobte Bürgermeister Thierry Lagneau ausdrücklich die Beteiligung der deutschen Freunde. Weiter sagte er, der Platz sei viel mehr als ein Ort der Passage: “Es ist auch ein Ort der Erinnerung.” Man werde angesichts aller Formen von Hass und Ausgrenzung wachsam bleiben. „Die Erinnerung ist nicht allein auf die Vergangenheit gerichtet. Sie hellt unser Bewusstsein auf und schützt unsere Zukunft.”
Beim anschließenden Empfang übermittelte Månsson die Grüße seines Partnerschaftsvereins und von Bürgermeister Marc Nees. In dessen Namen überreichte er Geschenkkörbe an Thierry Lagneau, an Amicale-Co-Präsident Hugues Roquemaurel, an den für die Jumelage verantwortlichen Stadtverordneten Frédéric Aulas sowie an Robert Silves Witwe Edith, die in Wettenberg 2023 mit der Silbernen Ehrennadel der Gemeinde ausgezeichnet worden war. Gastgeschenke der Deutsch-Französischen Gesellschaft gingen an Aulas’ Vorgänger im Amt, Cyrille Gaillard, und an Marie-Dominique Rampal, die Vorsitzende des Comité de Jumelage. An die Amicale hatte Nees zudem ein Grußwort gerichtet. Er dankte ihr konkret dafür, dass sie „seit vielen Jahren einen wertvollen Beitrag zur lebendigen Städtepartnerschaft zwischen Wettenberg und Sorgues” leiste.
Daneben nutzten die Wettenberger den Aufenthalt zur Abstimmung weiterer Begegnungen und Initiativen. Einen festen Platz im Kalender hat seit sechs Jahren das internationale Sommer-Jugendcamp, dessen jüngste Auflage in Sorgues und der zweiten Partnerstadt Grigny-sur-Rhône stattgefunden hatte. 2027 trifft man sich im Gleiberger Land. Aulas, im Hauptberuf Lehrer, bereitet zudem einen Schülerdialog von Collège Diderot und der hiesigen Gesamtschule GGL vor, der – möglichst noch 2026 – in ein Treffen in Straßburg münden soll.
Der aus Krofdorf stammende DFG-Vorsitzende Månsson legte dar, was sein Verein für das eigene 50-Jährige vom 6. bis 8. Mai 2027 plane. Darunter die Einweihung eines Sorgues/Train Fantôme-Gedenkortes an der Bürgermeisterei in Krofdorf und eine Festversammlung mit Gästen aller DFG-Frankreich-Verbindungen. Am 3. Oktober 2026 veranstaltet Rampals Comité einen deutsch-französischen Tanzabend, erwartet dazu auch Gäste aus Wetzlar (Tanz) und Marburg (Theater) – aber auch, bei Interesse, aus Wettenberg.
Weitere Infos in Kürze auf www.deutschfranzosen.de

Nach der „Train Fantôme”-Gedenkfeier auf der Place de Wettenberg in Sorgues: (v.l.) Moritz M. Månsson, Thierry und Sandrine Lagneau mit Kindern sowie die Stadtverordneten Cyrille Gaillard und Frédéric Aulas. (Foto: privat)


