
Der Gleiberger Eierzug – Tradition und Moderne vereint – erstmals mit Prinzenpaar
(Foto: Volker Mattern)
(vm).Es waren viele und erstmals fand er am Rosenmontag statt und erstmals gab sich auch das Krofdorfer Prinzenpaar mit Prinzessin Tamara I und Prinz Michel I, samt Hofstaat, und einer Elferratsabordnung der KFF (Krofdorf-Gleiberger Fassenachtsfreunde) die Ehre. Der Gleiberger Eierzug zog wieder mit vielen bunt kostümierten und geschminkten, fröhlichen Närrinnen und Narren durch die schmalen Gassen im historischen Ortskern, aber auch durch Teile der neueren Siedlung. Zur Einstimmung traf man sich am Dorfbrunnen, zwischen Süd- und Nordtor in der Torstraße und dort überreichte das Prinzenpaar auch den Prinzenorden an Catrin Schepers, die Vorsitzende des Vereins Bürgerprojekt Gleiberg, der diese über 75jährige Tradition des Eierzug am Leben hält. Es sind aber nicht nur Eier, die von den Bewohner an den Haustüren erbeten werden, auch Wust und Speck werden beim „Klinkenputzen” gerne genommen. Schließlich wird später alles in der Albertusklause auf Burg Gleiberg gemeinsam beim großen „Aijesch-Essen” verzehrt. Der Eierzug ist keine Gleiberger Erfindung, aber eine mit langer Tradition, an die kein anderer Faschingszug heranreicht. Sie hat einen durchaus ernsten Hintergrund. Margitt Fries-Volgmann ist Vorstandsmitglied beim „Bürgerprojekt Gleiberg” und kennt die Erzählungen ihres Vaters, Otto Laucht: In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten Hunger und Armut das Dorf weitestgehend im Griff. Vielen Menschen ging es schlecht und einige von ihnen fanden sich zusammen, um mit Musikinstrumenten durch die Gässchen zu ziehen, in der Hoffnung, dafür eine Entlohnung in Form von Naturalien zu bekommen. Unerkannt wollte man bleiben und deswegen die Verkleidung, aus Scham wegen des Bettelns. Eine andere Version kennt der 96jährige, Erich Leib von den Fotofreunden Krofdorf-Gleiberg: Die Musikanten, seien keine Leute aus Gleiberg gewesen, sondern Kriegsversehrte aus Gießen, die auf den Ortschaften im Umland Essbares erbaten. Vieles ist nicht belegt und bloße Vermutungen. Ralf Volgmann, ehemaliger Vorsitzender des Vereins „Bürgerprojekts Gleiberg”, hat recherchiert und stieß auf das Heft von W. Schnorr, „Volk und Scholle” von 1938. Dort ist in Teilen die Fassenacht in Wißmar beschrieben und Textpassagen befassen sich auch mit dem Eierzug am Faschingsdienstag, der übrigens hessenweit gepflegt wird. Dort ist zu lesen, dass man in Wißmar bis in die Neuzeit acht Tage lang Fasching feierte, mit Abschluss am Faschingsdienstag. In den Spinnstuben verkleideten sich Burschen und Mädchen und bildeten „eine rechte Lumpengesellschaft mit geweißten und geschwärzten Gesichtern, teilweise mit selbstgebastelten Masken”. Mit Gesang und Geschrei gings durchs Dorf. Dort, wo man aus den Häusern heraus dem Wunsch „Gebt uns einen Fasnachtskraib” folgte, durften die Spender von Speck und Eiern einen kräftigen Schnapsschluck aus dem „Plozkrug” nehmen. Nach einer Eine Woche ungezügelter und ungebundener Lebenslust und Lebensfreude kam wieder der Ernst des Lebens mit Arbeit im Haus und auf dem Hof und damit hatten auch die winterlichen Zusammenkünfte der Jugend in den Spinnstuben ein Ende.


