
Die Willy-Brandt-Medaille für Burkhard Schirmer – verliehen von Nina Heidt-Sommer, im Beisein von Ralf Volgmann (hinten), Christopher Nübel (rechts) und Lorenz Schirmer
(Foto: Volker Mattern)
(vm).„Wir wollen mehr Demokratie wagen.” Mit diesem historischen Zitat von Willy Brandt eröffnete die SPD-Landtagsabgeordnete Nina Heidt-Sommer am politischen Aschermittwoch in Wettenberg eine ganz besondere Ehrung. Im Beisein der Ortsvereine Wettenberg, Biebertal und Heuchelheim wurde Burkhard Schirmer mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet – der höchsten Ehrung, die die Sozialdemokratie an ihre Mitglieder vergibt. Für Nina Heidt-Sommer und den Gießener SPD-Fraktionsvorsitzenden Christopher Nübel war die gemeinsame Übergabe der Medaille ein zutiefst persönlicher Moment. Beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Geehrten: Sie waren Schüler von Burkhard Schirmer an der Gesamtschule Gießen-Ost. Schirmer, der über 33 Jahre an der Ostschule unterrichtete, prägte Generationen von jungen Menschen. Sein pädagogisches Credo „Selber denken macht schlau” wurde für viele zum Kompass für kritisches Denken und mutigen Einsatz für die demokratischen Werte. Das Leben des Geehrten war auch eines für die kommunale Selbstverwaltung. Burkhard Schirmer trat am 1. November 1969 in die SPD ein. Der durch die Wahl Willy Brandts ausgelöste Geist des Gestaltens zog sich durch dies gesamte politische Laufbahn des Geehrten. Über 44 Jahre hinweg prägte der Physiker die Gießener Stadtpolitik maßgeblich. Ein besonderer Höhepunkt seines Wirkens war die Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher im April 1997. In diesem Amt moderierte er den demokratischen Streit mit der gebotenen Fairness und Klarheit, für die er bis heute über Parteigrenzen hinweg geschätzt wird. Zuvor hatte er bereits als Stadtrat (1979-1981), Mitglied des Kreistages (1979-1993) und als Fraktionsvorsitzender der SPD (1985-1987) Verantwortung übernommen. In der inhaltlichen Arbeit galt Schirmer als Experte für die komplexen Felder der Finanzen und der Kultur. Sein Engagement für das Stadttheater war ihm eine Herzensangelegenheit. 25 Jahre lang leitete er als Vorsitzender den Theaterverein. Auch als Gründungsvorsitzender der Jazzinitiative Gießen und in führender Rolle beim Basketball des MTV 1846 Gießen hinterließ er bleibende Spuren. „Burkhard Schirmer hat uns gezeigt, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern vom Mitmachen lebt”, betonte Nina Heidt-Sommer. Auch nach seinem offiziellen Abschied aus der Politik vor 10 Jahren blieb sein Interesse ungebrochen. Bis 2019 verpasste der zum Stadtältesten ernannte Schirmer kaum eine Parlamentssitzung als Gast. Die Verleihung der Willy-Brandt-Medaille würdigt ein Lebenswerk, das die Verbindung von intellektuellem Anspruch, kultureller Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz für das Gemeinwohl verkörpert. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes nahm die Auszeichnung unter großem Applaus der anwesenden Genossinnen und Genossen entgegen.


