Rotwildbestand im Krofdorfer Forst eher niedrig zu bewerten – Ergebnisse der Befliegung im Vortrag analysiert

Ulrich Franke erläuterte die Ergebnisse der Befliegung

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Ein weiterer Baustein im Gefüge von Erhebungen, Untersuchungen, Bilanzierungen und Dokumentationen zum Krofdorfer Forst, seiner Tier- und Pflanzenwelt und der Bedeutung des Waldgebietes für Mensch, Umwelt und Waldbesitzer, durch die verschiedensten Organisationen, Verbände und Fachbehörden, ist hinzugekommen. Der Abschlussbericht zu den IR – VIS Befliegungen für das Rotwildgebiet Krofdorfer Forst im Frühjahr 2025 liegt vor. Beauftragt von der Gemeinde Wettenberg und durchgeführt vom wildlifemonitoring by aerosense aus Edesheim, stellte ihn Ulrich Franke von diesem Fach- und Dienstleistungsunternehmen vor. Eine handvoll Interessierte, vorwiegend aus den Interessensgebieten, Forst, Jagd und Naturschutz sowie Vertreter der gemeindlichen Gremien, hatte sich in der Krofdorfer Mehrzweckhalle zum gut einstündigen Vortrag versammelt. Bürgermeister Marc Nees begrüßte die Gäste um auch zu begründen, warum dieser Auftrag einer Befliegung erteilt wurde. Spekulationen und Mutmaßungen soll vorgebeugt und die Diskussionen um Fragen, wie viel Wild beherbergt der Krofdorfer Forst und welche Schlüsse und Folgen zieht man daraus, auf eine fundiertere Basis gestellt werden. Dabei – und darauf verwies auch Ulrich Franke – sei es wichtig, im Miteinander der unterschiedlichen Interessenlagen fair und sachorientiert einen Ausgleich zu schaffen. Vom Untersuchungsgebiet mit einer Größe von 3.500 Hektar wurden 2.900 Hektar am 15. und 16. Februar des vergangenen Jahres, bei guten Bedingungen, mittels standardisierter IR-VIS (Infrarot- und visueller Kamera) Befliegungen mit einem Leichtflugzeug untersucht. Hauptziel der Befliegungen, bei der eine Flugstrecke von 940 Kilometern (incl. Kurvenflüge) über dem Untersuchungsgebiet realisiert wurde, war die möglichst genaue Schätzung des Rotwildbestandes. Die Flugrouten waren dabei so dicht gewählt, dass nahezu eine Vollerfassung realisiert werden konnte. Ulrich Franke machte deutlich, dass die Repräsentativität der Stichprobe und ihrer Ergebnisse dennoch sehr valide seien. Im Vergleich zu bundesweit anderen Rotwildgebieten sei der Bestand im Krofdorfer Forst aber als niedrig zu bewerten. So weißt das Ergebnis mit 3,6 Stück Rotwild pro hundert Hektar Untersuchungsgebiet die höchste Rotwilddichte im Krofdorfer Forst aus. Im Westen der Hegegemeinschaft wurde mit 1,4 Tiere pro100 ha schon deutlich weniger erfasst. Für die drei großen bewaldeten Haupteinstandsgebiete wurde ein Rotwildfrühjahrsbestand von 165 Tieren ermittelt.

Rotwildbestand im Forst ist als niedrig zu bewerten

(Foto: Volker Mattern)

Unter Berücksichtigung von Szenarien mit verschiedenen Geschlechterverhältnissen und Reproduktionsraten sei zu empfehlen, von einer Reproduktion von 63 bis 88 Tieren auszugehen, so Ulrich Franke. Interessant in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Raumnutzung. Nahezu alles Rotwild im Krofdorfer Forst ist im Süden bis Südosten detektiert worden. Wie sich die Verteilung des Wildes im jahreszeitlichen Verlauf ändere, können man beispielsweise mit der Zusammenführung der vorliegenden Daten und der Erlegungsorte bei Jagden schön erarbeiten und diskutieren, schlug der Referent vor. Zu den auffälligsten Beobachtungen, neben der ohnehin bekannt hohen Rehwilddichte, gehören aber die an Vorkommen anderer Schalenwildarten. „Ordentlich was los im Forst”. Mit dieser Anmerkungen richtete Ulrich Frank den Blick auf die Tatsache, dass im zentralen Bereich der Hegegemeinschaft vermehrt Dam- und Muffelwild gezählt wurde. Dieses Ergebnis dürfe beim Management nicht außer acht gelassen werden. Mit 273 Detektionsereignissen konnten am 1. Befliegungstag im östlichen Teil des Gebietes 655 größere Säugetiere, etwa ab der Größe eines Fuchses erfasst werden. Rotwild konnte bei 15 Detektionsereignissen mit 85 Tiere gezählt werden. Es gab Detektionsereignisse mit nur einem Stück Rotwild und das größte Rudel umfasste 22 Tiere. Dam- und Muffelwild kam nur vereinzelt vor. Rehe wurden mit 186 Tieren bei 83 Ereignissen erfasst. Beim 1. Flug am 2. Tag wurde der Westen und Süden des Untersuchungsgebietes beflogen. Rotwild wurde bei 7 Ereignissen mit 19 Tiere erfasst. Das größte Rudel war 8 Tiere stark. Die meisten anderen Ereignisse umfassten nur ein oder zwei Tiere. Beim 2. Flug war das zentrale Gebiet im Fokus. Mit 150 Detektionsereignissen wurden hierbei 297 Tiere erfasst. Unter der Gruppe der auf Artniveau bestimmbaren Tiere machte das Rehwild mit 44 Ereignissen und 81 Tieren wieder den größten Anteil aus. Die Rotwildanzahl betrug bei 2 Detektionen 7 Tiere. In der anschließenden Dikssionrunde sagte der Forstamtsleiter a.D. und Rotwildsachkundige der Rotwildhegegemeinschaft Krofdorfer Forst, es sei wichtig durch den Bericht zu erfahren, dass sich die Zahlen und Beobachtungen weitgehendes mit den bekannten Ergebnissen decken würden. Udo Steiger, ehemals Revierleiter in Wettenberg und seit sechs Jahren Leiter des Reviers Salzböden/Lollar merkte an, dass man noch vor wenigen Jahren über die Entwicklung in Sachen Dam- und Muffelwild nicht habe sprechen müssen, jetzt aber die Aktualität bei allen Entscheidungen mitdenken müsse.

Damwild im Lebensraum Krofdorfer Forst

(Foto: Volker Mattern)

Ulrich Franke empfahl zum Schluss seines Berichtes, Ziele zu definieren, beispielsweise zur Frage einer besseren Verteilung des Rotwildes auf der Fläche und Reh und andere Schalenwildarten bei den Überlegungen nicht zu vergessen. Bürgermeister Marc Nees lobte das Ergebnis der Befliegung. Es wird uns helfen, die notwendige Gespräche auf einem besserem Niveau zu führen. Klar bekannte er sich dazu, dass man keinen Wald ohne Wild wolle.

Muffelwild gehört zu den Neuankömmlingen im Revier

(Foto: Volker Mattern)

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