
Erinnerungen an alte Zeiten – 52 Jahre JuZ Wißmar – eine lockere Feier, initiiert von Horst Winterkorn (vorne links).
(Foto: Volker Mattern)
(vm).An keinem geht die Zeit spurlos vorbei und das Leben hat für jeden Einzelnen seine eigene Weichenstellungen, aber was stets frisch bleibt, sind gute Erinnerungen, deren Austausch in der Gemeinschaft einen besonderen Stellenwert gewinnt. Die hatten auch jene 30, die gekommen waren, zur Feier 50+2 JuZ Wißmar. Vor 52 Jahren entstand im damals noch eigenständigen Dörfchen an der Lahn das, was Horst Winterkorn „als Begriff für eine Zeit, in der jeder noch Freunde hatte” beschreibt. Er gehört, neben anderen, zu jenen, die das Jugendzentrum initiierten und mit Ideen über viele Jahre am Leben erhielten. Genau am 21. Mai 1974 war es, als auf der Geburtstagsfeier von Thomas Will, gemeinsam durch viele Freunde, mit der Gründung der „AG JZ” eine Idee zur Wirklichkeit reifte. Jetzt hatte Horst Winterkorn zu einer Erinnerungsfeier in das Haus am See „Zum Kormoran” eingeladen. Ein schönes Wiedersehen unter alten Weggefährten war es und auch an jene wurde gedacht, die bereits verstorben sind. Stellvertretend für alle erinnert er mit Elmar Drommershausen an einen wichtigen und verlässlichen Mitstreiter von einst. Bei Currywurst, Schnitzel und Pommes, mit Hintergrundmusik aus der Zeit der 60er, 70er und 80er, lief auf der großen Leinwand im Lokal eine Bilderschau. Die Fotos zeigten viele Ereignisse und Erlebnisse von damals und vielleicht in Teilen nur noch unscharf vorhandene Erinnerungen bekamen wieder genaue Konturen. Horst Winterkorn hatte mit viel Zeitaufwand die alten Aufnahmen mittels KI aufgehübscht, ohne den Moment zu verfälschen. Aber, so sein Gedanke, sei mittels moderner Technik ein schöner Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart gelungen. Ohnehin sieht sich die Community keinesfalls dem Nimbus ewig Gestriger verfallen. Die Erlebnisse im und mit dem JuZ Wißmar haben uns geprägt und wer nichts erlebt hat, kann auch später nichts erzählen, so die einmütige Meinung. Fast Zweijahrzehnte entwickelten die Jugendlichen aus Wißmar ihr soziales Umfeld selber und schafften sich die eigene Basis für Ihr Erwachsensein. Sie hatten Unterstützung etwa durch die Lehrerin Waltraud Kiefer und auch von politischer Seite durch die Bürgermeister Werner Forbach und Günter Feußner sowie mit Hans Karpenstein. Deren Vertrauen in die jungen Leute und ihr Modell „JuZ Wißmar”, das auch durch Verantwortliche der Kreisjugendpflege unterstützt wurde, schufen die Basis für eine beispielhafte Einrichtung und deren Entwicklung. Ein Höhepunkt war im Mai 1984, als sich zum 10jährigen lokale Größen, wie Günther Feußner, Werner Forbach und die Kreisjugendpflege mit Willi Banken, Norbert Schmidt und Matthias Spangenberg trafen. Alle sprachen von den Erfolgen und Aktivitäten der Jugendlichen und deren Einfluss auf die Attraktivität des gute funktionierenden Jugendzentrums, mit Zelten auf dem eigenen Areal an der Hardthütte, mit Fußball-, Tischtennis-, Frauen-, Moped-, Funk- und Foto-AGs sowie der etablierten Teestube. “Surroundsound kannten wir nicht und auch keine Handys und Computer. Aber wir hatten Freunde, wir gingen raus und trafen uns auf der Straße”. Freiheit, Erfolg, Misserfolg und Verantwortung; mit alldem wusste wir umzugehen”. So war es tatsächlich und das könnte auch der Schlüssel für den Erfolg des JUZ in Wißmar gewesen sein – einer Einrichtung mit Vorzeigecharakter, zuvor als AG mit Unterstützung des Bürgerhauswirtes, Horst Wallendorf als Treff an dortiger Stelle und später der Umzug in die ehemalige Pfaffschule, die man mit viel Ehrgeiz und Kreativität selbst ausgestaltete. An diese Zeit hat auch der aktuell amtierenden und aus Wißmar stammende Bürgermeister, Marc Nees seine Erinnerungen, die er vor zwei Jahren bei der 50er Feier nicht nur daran festmachte, dass er dort gelernt habe, wie man eine Zigarette dreht.



