Verehrte Mitglieder der Gemeindevertretung,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,
heute ist ein besonderer Abend für unsere Gemeinde. Denn wenn wir hier zusammenkommen, dann ist das mehr als ein formaler Beginn einer neuen Legislaturperiode. Es ist ein Moment, in dem sichtbar wird, was unsere Demokratie ausmacht: Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Menschen, die sich einbringen, diskutieren, manchmal auch ringen, vielleicht sogar streiten – aber am Ende gemeinsam an einem Ziel arbeiten: dem Wohl unserer Gemeinde Wettenberg.
Ich gratuliere Ihnen allen ganz herzlich zu Ihrer Wahl. Sie haben Vertrauen erhalten – und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man dieses Vertrauen nicht einfach als selbstverständlich hinnimmt. Es ist etwas, das man sich jeden Tag neu verdienen muss.
Und ich möchte heute ganz bewusst die neuen Mitglieder dieser Gemeindevertretung besonders ansprechen und begrüßen.
Gerade in diesen Zeiten ist es nicht selbstverständlich, sich in die erste Reihe zu stellen, sich zu exponieren, sich sichtbar zu machen.
Es ist deutlich einfacher, von außen zu kommentieren – als von innen mitzugestalten.
Sie haben sich entschieden, mitzuwirken statt nur zu kritisieren.
Und dafür verdienen Sie Respekt.
Denn wer Verantwortung übernimmt, macht sich auch angreifbar – mit jeder Entscheidung, mit jeder Haltung.
Demokratie braucht genau diesen Mut.
Und deshalb: Schön, dass Sie da sind.
Mein Dank gilt auch allen Bürgerinnen und Bürgern, die zur Wahl gegangen sind. Jede Stimme zählt – nicht nur im Ergebnis, sondern als Zeichen: „Ich kümmere mich. Ich mache mit.” Genau davon lebt unsere Gemeinde.
Und ich möchte auch ganz bewusst diejenigen erwähnen, die kandidiert haben und heute nicht hier sitzen. Denn auch das gehört zur Wahrheit: Ohne dieses Engagement gäbe es keine Auswahl, keine echte demokratische Entscheidung. Dafür gebührt allen Respekt.
Meine Damen und Herren,
Wettenberg ist für mich – und sicher für uns alle – nicht einfach eine Kommune auf der Landkarte. Es ist Heimat. Es sind unsere drei Ortsteile Krofdorf-Gleiberg, Launsbach und Wißmar – mit ihren ganz eigenen Geschichten, mit ihren Traditionen und mit ihrem starken Zusammenhalt. Es sind die Vereine, die unsere Gemeinschaft tragen. Es sind die Feste, die uns verbinden. Und es sind die vielen Begegnungen im Alltag – auf der Straße, beim Einkaufen, am Spielfeldrand oder bei Veranstaltungen -, die Wettenberg zu dem machen, was es ist.
Dieses besondere Miteinander ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist gewachsen – über viele Jahrzehnte hinweg. Und es ist unsere gemeinsame Aufgabe, dieses Miteinander zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Denn natürlich wissen wir alle: Die Herausforderungen werden nicht kleiner.
Wir stehen vor finanziellen Entscheidungen, die uns nicht immer leichtfallen werden. Wir müssen Prioritäten setzen – verantwortungsvoll und mit Augenmaß.
Wir stehen vor der Aufgabe, unsere Infrastruktur zukunftsfähig zu machen: Straßen, Gebäude, digitale Angebote – all das muss weiterentwickelt werden.
Wir wollen unsere Ortsteile stärken und gleichzeitig den Zusammenhalt der gesamten Gemeinde im Blick behalten.
Und wir müssen Antworten finden auf die großen Fragen unserer Zeit: Nachhaltigkeit, demografischer Wandel, gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Das alles sind keine kleinen Aufgaben. Aber sie sind lösbar – wenn wir sie gemeinsam angehen.
Und genau hier kommt es auf uns an:
auf die Art und Weise, wie wir miteinander arbeiten,
auf den Ton, den wir wählen,
und auf die Haltung, mit der wir Entscheidungen treffen.
Ich bin fest davon überzeugt: Unterschiedliche Meinungen sind keine Schwäche – sie sind eine Stärke. Sie helfen uns, Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten. Sie zwingen uns, Argumente zu prüfen und bessere Lösungen zu finden.
Aber – und das sage ich ganz bewusst – Diskussion um der Diskussion willen bringt uns nicht weiter.
Wer nur redet, gestaltet noch nichts. Und wer nur blockiert, übernimmt keine Verantwortung.
Diese Stärke entfaltet sich nur dann, wenn wir respektvoll miteinander umgehen – und gleichzeitig bereit sind, Entscheidungen zu treffen.
Wenn wir einander zuhören,
wenn wir bereit sind, auch einmal den eigenen Standpunkt zu hinterfragen,
und wenn wir uns immer wieder bewusst machen: Wir sitzen hier nicht als Gegner, sondern als gemeinsam Gewählte für dieselbe Gemeinde.
Wir sind nicht gewählt worden, um Recht zu behalten – sondern um Verantwortung zu übernehmen.
Als Bürgermeister sehe ich meine Aufgabe darin, genau dafür den Rahmen zu schaffen. Ich bin parteilos – und das ist für mich kein Etikett, sondern eine Haltung. Ich möchte Brücken bauen, ich möchte verbinden und ich möchte dazu beitragen, dass aus unterschiedlichen Perspektiven gemeinsame Lösungen entstehen.
Ich möchte, dass wir Entscheidungen treffen, die Bestand haben, die nachvollziehbar sind und die von möglichst vielen mitgetragen werden können.
Dabei dürfen wir eines nicht vergessen: Unsere Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Wettenberg.
Auf Familien, die hier wohnen,
auf Kinder und Jugendliche, die hier aufwachsen,
auf ältere Menschen, die hier ihren Lebensabend verbringen,
auf Vereine, die sich engagieren,
auf Unternehmen, die hier Arbeitsplätze schaffen.
Für all diese Menschen tragen wir Verantwortung.
Und ich finde, das ist ein Gedanke, der uns leiten sollte – bei jeder Diskussion, bei jeder Entscheidung.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Maßstab:
Was bedeutet unsere Entscheidung für die Menschen in unserer Gemeinde?
Verehrte Damen und Herren,
ich wünsche mir für die kommende Legislaturperiode eine Zusammenarbeit, die von Vertrauen geprägt ist. Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Es wächst – durch Verlässlichkeit, durch Offenheit und durch ehrlichen Umgang miteinander.
Es wird Momente geben, in denen wir unterschiedlicher Meinung sind. Das ist normal. Entscheidend ist, dass wir auch in solchen Momenten im Gespräch bleiben.
Dass wir nicht übereinander sprechen, sondern miteinander,
dass wir nicht nur Positionen vertreten, sondern Lösungen suchen,
und dass wir immer wieder den gemeinsamen Nenner finden: das Wohl unserer Gemeinde.
Und lassen Sie mich zum Schluss eines ganz klar sagen:
Wettenberg ist dann stark, wenn wir zusammenstehen – nicht, wenn wir uns voneinander abgrenzen, sondern wenn wir füreinander Verantwortung übernehmen.
Am Ende dieser Legislaturperiode wird uns niemand daran messen, wie laut wir waren, sondern wie wirksam wir waren.
Dass wir sagen können:
Wir haben Wettenberg ein Stück weitergebracht,
wir haben Zusammenhalt gestärkt
und wir haben Entscheidungen getroffen, hinter denen wir auch Jahre später noch stehen können.
Lassen Sie uns genau heute damit anfangen.
Für Wettenberg.
Für unsere Ortsteile.
Für die Menschen, die hier leben.
Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit mit Ihnen.
Vielen Dank!


