Vocal Pur begeisterte in der Greyfriars Kirk

(Foto-Repro: Volker Mattern)

(vm).Noch klangen Töne und Eindrücke des viel umjubelte Jubiläumskonzert in der Johanneskirche in Gießen zum 30-jährigen Bestehen nach, da machte sich der Wettenberger Chor „Vocal pur” eine Woche später mit 44 Sängerinnen und Sängern auf den Weg nach Schottland. Die Reise begann mit der Busfahrt nach Amsterdam, bei der ein liebevoll vorbereitetes Frühstück und ein unterhaltsamer Bordservice bereits für beste Stimmung sorgten. Ein kurzer Aufenthalt in der niederländischen Hauptstadt bot Gelegenheit für erste Eindrücke – inklusive einer amüsanten Anekdote um einen versehentlichen Besuch in einem Coffee Shop. Weiter ging es mit der Fähre nach Newcastle. Nach einem reichhaltigen Abendbuffet und einem abwechslungsreichen Bordprogramm ließ es sich der Chor nicht nehmen, erste Kostproben seines Könnens an Bord des Schiffes zu geben. Die Reise führte schließlich in die schottische Hauptstadt, wo Reiseleiter Douglas Norris zustieg, um den Gästen das imposante Edinburgh Castle und die historische Altstadt näher zu bringen. Höhepunkt des Tripps war zweifelsohne das gemeinsame Konzert mit dem schottischen Chor „Wicked Pitch”, in der traditionsreichen Greyfriars Kirk. Während die Gastgeber mit bekannten Songs das Publikum auf den Abend einstimmten, begeisterte „Vocal pur” mit seinem abwechslungsreichen Repertoire. Der lang anhaltende Applaus und die mitklatschenden und tatsächlich stampfenden Zuhörer im sehr gut gefüllten altehrwürdigen Gotteshaus machten den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Darüber hinaus konnten neue, vielversprechende Kontakte geknüpft werden. Auch abseits der Bühne hatten Schottland und das weitere Programm viel zu bieten: Besuche im kleinen, aber feinen Pitlochry, dem Highland Folk Museum in Newtonmore, der Cardhu Distillery mit Whiskeyverkostung sowie dem geschichtsträchtigen Cawdor Castle ermöglichten spannende Einblicke in Kultur , Leben und Geschichte Schottlands. Eine Fahrt durch die beeindruckenden Highlands führte vorbei an bekannten Filmkulissen, während ein Teil der Gruppe den Rothiemurchus Forest, einer der größten erhaltenen kaledonischen Urwälder Europas, unter Schusters Rappen nahmen und anderen das Städtchen Aviemore erkundeten. Die erzwungener und nicht geplanter Stopp infolge eines kleinen Zwischenfalls wurde genutzt für einen zusätzlichen Aufenthalt im historischen Fort William, welches in der Fantasyserie „Outlander” nach den Büchern von Diana Gabaldon eine große Rolle spielte. Zum Abschluss standen eine beeindruckende Vorführung von Border Collies beim Hüten einer Schafherde sowie der Besuch der imposanten Jedburgh Abbey auf dem Programm, bevor die Gruppe die Heimreise über Newcastle und Amsterdam antrat. Natürlich durfte auch unterwegs der Gesang nicht fehlen. Ob auf der Fähre, bei Besichtigungen oder als Überraschung für zwei Ehepaare, die während der Reise ihren Hochzeitstag feierten – immer wieder erklangen die Stimmen von „Vocal pur” und sorgten für besondere Momente. Die Reise bot eine gelungene Mischung aus musikalischen Höhepunkten, kulturellen Entdeckungen und eindrucksvollen Landschaften. Schottland, waren sich alle einig.

Jürgen Leib (4.v.r.) leitet die heimatkundliche Exkursion

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Grenzen trennen, können fließend sein, überdauern lange und machmal auch nur kurze Zeiträume. Weilburg liegt etwa 50 Kilometer von Gießen entfernt. Da war die Frage berechtigt, warum es ein Straßennamensschild „”Weilburger Grenze” an der Pereferie der bebauten Gießener Ortslage gibt. Die Frage sollte nicht unbeantwortet bleiben und auch auf viele andere Fragen hatte, Dr. Jürgen Leib eine Antwort. Ihn konnte der Heimat- und Geschichtsverein Krofdorf-Gleiberg für eine spannende, mehrstündige geschichtshistorische Exkursion gewinnen. An der Stelle mit dem Straßennamensschild „Weilburger Grenze”, verläuft heute die Gemarkungsgrenze zwischen Gießen und Wettenberg. Der Hinweis hat also nur historische Bedeutung. Dennoch ist die Geschichte dahinter spannend und mit großer Sach- und Fachkenntnisse vermittelte Jürgen Leib den Teilnehmern die Zusammenhänge, die zurückzuführen sind um das Jahr 1150 und die Teilung der Grafschaft Gleiberg. Seit Jahrhunderten habe die alte Landesgrenze Bestand gehabt, was zusammen hing mit wechselnden Machtverhältnissen, zwischen den Herren von Tübingen, den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, den Herren von Merenberg und den Grafen von Nassau-Weilburg bis 1816 das Gebiet schließlich an Preußen fiel. Die Exkursion durch verschiedene Punkte im mittleren Lahntal führte dann in die neuere Geschichte. Jürgen Leib erinnerte am Werner-Gleim-Damm an die bereits in den 1970er Jahren angestrengten Überlegen der Stadt Gießen, die Weststadt durch einen Deich vor Überflutungen zu schützen. 2009 wurde der Damm nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt. Man blieb in der Gegend und nicht weit weg liegt die „Gummiinsel”. Welche Wandlung dieses einstige Notquartier in der Weststadt zum Kulturdenkmal vollzog, ist hoch interessant und ein Beispiel gelungener städtebaulicher Entwicklung unter Beachtung sozialer Komponenten. Im Städtebauförderungsprogramm verankert und zweimal im Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus”erhielt das Quartier durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit als Premiumprojekt die entsprechende Auszeichnung. Weiter ging die Runde mit privaten PKWs zu den Heuchelheimer-Dutenhofener Seen. Heute Magnetpunkte für Freizeitnutzung sind sie Zeugen gelungener Rekultivierung einstigen großflächigen Abbau gebundener Sand-, Kies- und Schottervorkommen. Den Landkreis Gießen verlassen machten die Teilnehmer Halt an der Schleuse von Dorlar, einem historischen Erbe der Lahnschifffahrt, was zurückgeht bis in die Römerzeit, wo der Fluss Bedeutung erlangte als Handels- und Transportweg. Der Dom von Wetzlar und der Kalsmunt kamen in Sichtweite und das die alte Goethestadt und ehemals freie Reichsstadt mit Sitz des Reichskammergerichtes mehr ist als Buderus und Leitz, konnte Jürgen Leib vor Ort an vielen Punkten fest- und deutlich machen. Verschont von den Bombardierungen der Alliierten im 2. Weltkrieg genießt die Altstadt mit dem Dom als Simultankirche und Wahrzeichen der Stadt einen besonderen Reiz. Durch zahlreiche Orte, Plätze und Bauten wird alte und mittelalte Geschichte sicht- und erlebbar. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Wetzlar zu einem wichtigen Standort für die Schwerindustrie sowie die optische- und feinmechanische Industrie. Wie und warum ein Pferdekopf für Wirbel sorgte und Geschichte schrieb rief der Exkursionsleiter dann am Römischen Forum in Waldgirmes noch einmal in Erinnerung, bevor es wieder zurück in die Heimat ging und der Abschluss auf der geschichtsträchtigen Burg Gleiberg stattfand. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins dankte Jürgen Leib für die Exkursion.

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