Streetballturnier FairPlay in der Sporthalle an der GGL
(Foto: Volker Mattern)
(vm).Die Körbe hingen hoch und es waren keine „Riesen”, die hier versuchten den Ball zielgenau zu versenken. Zum 13. Mal fand in der Großsporthalle an der GGL (Gesamtschule Gleiberger Land) das Streetballturnier statt, das neben dem sportlichen Eifer auch den Lerneffekt von FairPlay vermitteln möchte. Es herrschte in der Sporthalle an der Wettenbergschule große Euphorie und eine tolle Stimmung. Acht Teams waren gemeldet und 70 Teilnehmer*innen zeigten, immer parallel auf sechs Spielfeldern, ihr Können mit dem Sportgerät. Das Organisationsteam der Veranstaltung setzte sich zusammen aus dem Kinder- und Jugendbüro Biebertal und Wettenberg, den Koordinatorinnen für Gemeinwesenarbeit der beiden Großgemeinden (ZAUG gGmbH), der Sozialarbeit an Schulen im Gleiberger Land (regionale Diakonie Gießen) und der Jugendförderung des Landkreises Gießen. In ihrem Grußwort zitierte die stellvertretenden Leiterin der GGL, Alexandra Kristan, aus einem Leitfaden für Lehrkräfte, wonach Streetball Jugendliche unterschiedlicher Nationen und Hautfarbe verbinde. Merkmale seien in der Regel der Verzicht auf Unparteiische und einheitliche Regeln. Damit fördere dieser Sport die soziale Kompetenz, wie Konfliktfähigkeit, Frustbewältigung und Toleranz. Sie beschrieb damit auch den besonderen Charakter von Streetball als eine abgewandelte Form vom klassischen Basketballspiel. Dazu gehört auch, dass eine Mannschaft nur aus drei bis fünf Spieler*innen besteht. Alexandra Kristan freute sich auch, den 1. Beigeordneten der Gemeinde Wettenberg, Ralf Volgmann unter den Gästen begrüßen zu können. Mit dabei auch diesmal wieder Viertklässler*innen der Grundschulen aus dem Gleiberger Land. Es gab drei Jahrgangsgruppen, die sich in die Jahrgangsstufen 4 und 5, 6 und 7 sowie 8 bis 10 aufteilten. Zahlreiche Eltern, Großeltern und Geschwistern fieberten auf den Rängen mit. Bei unklaren Spielabläufen griffen ausgebildete Sporthelfer der GGL ein, wobei stets das FairPlay und die Selbstregulierung im Vordergrund standen. Musikalisch wurde das Turnier unterstützt von DJ Joannes Langer. Für das leibliche Wohl sorgte die SV der GGL Verletzungen behandelte der Schulsanitätsdienst. Die Fachstelle für Suchtprävention des Landkreises Gießen bot alkoholfreie Getränke an. Die Pause wurde verkürzt durch Darbietungen von HipHop-Show-Acts von Tanz & Event Schad aus Biebertal. Alle Teams hatten sich selber prägnante Namen gegeben. Die Gewinnerteams erhielten Pokale und gesponserte Gutscheine für den Eintritt der Spiele des RSV Lahn-Dill. Zudem gab es Medaillen und für alle Teilnehmer Urkunden und je ein Geschenk, gesponsert von der Firma Schunk, Heuchelheim. Neben dem Lehrerkollegium und zahlreichen Helfer*innen dankte die stellvertretenden Schulleiterin namentlich und stellvertretend für alle, Claudia Kopsch (Sozialarbeit an Schullen, GGL).
Streetballturnier FairPlay in der Sporthalle an der GGL
(vm).Gegen diese Übermacht hatte er keine Chance und so blieb Wettenbergs Bürgermeister Marc Nees nur die Kapitulation. Auch seine Vasallen aus dem Rathaus hatten ihn verlassen und einsam und allein stand er vor dem Haupteingang. „Der Sturm vom Rathaus steht bevor – das Kampfgeschrei drang an mein Ohr. So stehn mir widder mit Mann und Maus – uff de Trepp vom alten Haus. Mir wollte drüwwe sein, net hier im Alte – doch der Termin war net zu halte”, so sei Vortrag mit Blick auf den Rathausneubau. Die KFF (Krofdorf-Gleiberger Fassenachtsfreunde), waren mit ihrem Großaufgebot gekommen: Der Elferrat mit Patrick Leibold-Meid an der Spitze, das Prinzenpaar Tamara I und Prinz Michel I, samt Hofstaat, Knorzel-, Prinzen- und Elferratsgarde, forderten lautstark den Rathausschlüssel, um die närrische Macht an sich zu reisen. Die Befürchtung des Bürgermeisters, bei diesem Gelage im schlimmsten Falle das Leben zu verlieren, trat Gott sei Dank nicht ein. Ein großer Spaß mit langer Tradition war es wieder – die Stürmung der Schaltzentrale der Macht in Wettenberg und Marc Nees hatte sich mit ein paar närrischen Reimen gut gewappnet. Mit den Worten, “Un ohne euch wär Krofdorf ärmer, mit euch ist Wettenberg viel wärmer”, würdigte er das Engagement der Fassenachter. Da merkte man, dass ihm die Bütt nicht fremd ist und er noch nichts verlernt hat.
(vm).Es regnete, aber Gott sei Dank nur Kamelle und andere Süßigkeiten. Der Wettergott hatte größtenteils ein Einsehen beim Faschingszug in Krofdorf-Gleiberg. Die Abteilung „Zug” der KFF (Krofdor-Gleiberger Fassenachtsfreunde) hatte mit einer bunten Mischung aus Fußgruppen, Musikkapellen und Motivwagen eigener- und Gastakteure wieder ein glückliches Händchen bewiesen. 44 Zugnummer boten hunderten kostümierter Zaungästen entlang der gut zwei Kilomter langen Strecke ein buntes und abwechslungsreiches Bild. Wer im Kreuzungsbereich von Haupt-, Insel- und Wißmarer Straße einen Platz ergattert hatte, konnte den Lindwurm sogar zweimal sehen. Beste Stimmen herrschte überall entlang der Strecke. Für einen Reibungslosen Verlauf sorgten nicht nur zahlreiche ehrenamtliche Helfer, sondern auch Feuerwehr, Polizei und andere Ordnungskräfte.
Der Gleiberger Eierzug – Tradition und Moderne vereint – erstmals mit Prinzenpaar
(Foto: Volker Mattern)
(vm).Es waren viele und erstmals fand er am Rosenmontag statt und erstmals gab sich auch das Krofdorfer Prinzenpaar mit Prinzessin Tamara I und Prinz Michel I, samt Hofstaat, und einer Elferratsabordnung der KFF (Krofdorf-Gleiberger Fassenachtsfreunde) die Ehre. Der Gleiberger Eierzug zog wieder mit vielen bunt kostümierten und geschminkten, fröhlichen Närrinnen und Narren durch die schmalen Gassen im historischen Ortskern, aber auch durch Teile der neueren Siedlung. Zur Einstimmung traf man sich am Dorfbrunnen, zwischen Süd- und Nordtor in der Torstraße und dort überreichte das Prinzenpaar auch den Prinzenorden an Catrin Schepers, die Vorsitzende des Vereins Bürgerprojekt Gleiberg, der diese über 75jährige Tradition des Eierzug am Leben hält. Es sind aber nicht nur Eier, die von den Bewohner an den Haustüren erbeten werden, auch Wust und Speck werden beim „Klinkenputzen” gerne genommen. Schließlich wird später alles in der Albertusklause auf Burg Gleiberg gemeinsam beim großen „Aijesch-Essen” verzehrt. Der Eierzug ist keine Gleiberger Erfindung, aber eine mit langer Tradition, an die kein anderer Faschingszug heranreicht. Sie hat einen durchaus ernsten Hintergrund. Margitt Fries-Volgmann ist Vorstandsmitglied beim „Bürgerprojekt Gleiberg” und kennt die Erzählungen ihres Vaters, Otto Laucht: In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten Hunger und Armut das Dorf weitestgehend im Griff. Vielen Menschen ging es schlecht und einige von ihnen fanden sich zusammen, um mit Musikinstrumenten durch die Gässchen zu ziehen, in der Hoffnung, dafür eine Entlohnung in Form von Naturalien zu bekommen. Unerkannt wollte man bleiben und deswegen die Verkleidung, aus Scham wegen des Bettelns. Eine andere Version kennt der 96jährige, Erich Leib von den Fotofreunden Krofdorf-Gleiberg: Die Musikanten, seien keine Leute aus Gleiberg gewesen, sondern Kriegsversehrte aus Gießen, die auf den Ortschaften im Umland Essbares erbaten. Vieles ist nicht belegt und bloße Vermutungen. Ralf Volgmann, ehemaliger Vorsitzender des Vereins „Bürgerprojekts Gleiberg”, hat recherchiert und stieß auf das Heft von W. Schnorr, „Volk und Scholle” von 1938. Dort ist in Teilen die Fassenacht in Wißmar beschrieben und Textpassagen befassen sich auch mit dem Eierzug am Faschingsdienstag, der übrigens hessenweit gepflegt wird. Dort ist zu lesen, dass man in Wißmar bis in die Neuzeit acht Tage lang Fasching feierte, mit Abschluss am Faschingsdienstag. In den Spinnstuben verkleideten sich Burschen und Mädchen und bildeten „eine rechte Lumpengesellschaft mit geweißten und geschwärzten Gesichtern, teilweise mit selbstgebastelten Masken”. Mit Gesang und Geschrei gings durchs Dorf. Dort, wo man aus den Häusern heraus dem Wunsch „Gebt uns einen Fasnachtskraib” folgte, durften die Spender von Speck und Eiern einen kräftigen Schnapsschluck aus dem „Plozkrug” nehmen. Nach einer Eine Woche ungezügelter und ungebundener Lebenslust und Lebensfreude kam wieder der Ernst des Lebens mit Arbeit im Haus und auf dem Hof und damit hatten auch die winterlichen Zusammenkünfte der Jugend in den Spinnstuben ein Ende.
Dr. Gert Fisahn (rechts) mit einigen der ehemaligen Bürgermeistern des Landkreises Gießen, Horst Röhrig, Günter Leicht, Wilfried Eckl, Horst Hormann, Thomas Bender und Gerhard Schmidt (v.l.)
(Foto: Volker Mattern)
(vm).Sie sind nach wie vor rührig und häufig unterwegs – ehemalige Bürgermeister aus dem Landkreis Gießen und vor allem nehmen sie immer noch Teil an den Entwicklungen und Geschehnissen in ihren Kommunen, in denen sie einst aktiv wirkten und kommunalpolitisch mitgestalteten. Der Gewerbepark West in Krofdorf-Gleiberg war jüngst das Ziel der interessierten Senioren und dort genau galt ihr Interesse der Firma PVA TePla AG. Hier fand ein freundlicher Empfang durch Public Affairs, Dr. Gert Fisahn statt. Einer Betriebsführung durch die Produktionshallen ging zunächst im großen Konferenzsaal der theoretisch Teil in Form einer Powerpoint-Präsentation der Besichtigung voraus. Der Zeitrahmen für diese Einstimmung sah rund 10 Minuten vor, doch schon sehr bald zeigte sich durch ein großes Interesse der Gäste, mit vielen Fragen und einem anregendem Austausch, dass das angedachten Zeitfenster eher sportlich angesetzt war. Wettenbergs Ehrenbürgermeister Gerhard Schmidt hatte diesen Besuch organisiert. Zu Beginn skizzierte er die Entwicklung des ökologisch optimierten Gewerbe- und Umweltparks, der seinerzeit in den 90er vor dem Hintergrund der Neuentwicklung künftiger Gewerbeflächen entstand. Die Idee hatte Modellcharakter und stieß bei allen Entscheidungsträgern und Genehmigungsbehörden auf Landes-, RP- und Kreisebene auf offene Ohren und Unterstützung. Moderne Trennsysteme von Abwässer und Niederschlagswasser sowie eine Nahwärmeversorgung und die Durchführung aller Ausgleichsmaßnahmen innerhalb der 14 Hektar großen Fläche waren die wichtigsten Säulen, auf denen das Konzept Gewerbepark- und Umweltpark fußte. Ziel war die Schaffung möglichst vieler interessanter Arbeitsplätze und eine Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen. Durch die Gründung der Gewerbepark- und Umweltpark GmbH konnten die Planung, Erschließung und Finanzierung offen und transparent abgewickelt werden. So entstanden mehr und mehr Arbeitsplätze – aktuell sind es rund 1.900. PVA TePla ist ein weltweit agierendes Unternehmen und verlegte 2008 durch den Firmengründer Peter Abel seinen ursprünglichen Sitz von Aßlar nach Wettenberg. Dabei entstand für rund 25 Millionen Euro im Krofdorfer Westpark ein neues Firmen-Gebäude mit 26.000 Quadratmetern (davon 13.000 Quadratmeter Nutzfläche für Produktion und Verwaltung). „Wir wollen sichtbarer werden und uns nicht mehr zu sehr unter dem Radar bewegen, sagte Gert Fisahn zu den Ambitionen im Sinne von mehr Öffentlichkeitsarbeit. Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt am Standort Wettenberg 400 Mitarbeiter. Weitere Standorte sind in Jena und Westhausen und in den weiteren Standorten in Italien, Frankreich, Nordamerika, Korea, Singapur, China und Japan arbeiten insgesamt 1.000 Menschen in den Tochtergesellschaften. Die Züchtung hochwertiger Kristalle, die Qualitätsinspektion komplexer Bauteile für die Halbleiterindustrie sowie Vakuum- und Hochtemperatur-Technologie zur Herstellung leistungsfähiger Werkstoffverbünde stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Als zentralen Bestandteil des Geschäftes beschrieb Gert Fisahn die Qualitätsinspektion als Wachstumstreiber. Das Unternehmen nimmt weltweit eine Spitzenstellung in der Qualitätsinspektion von Halbleiterbauteilen mittels Ultraschall ein. Die PVA TePla AG hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem gestiegenen Auftragseingang von rund 268 Millionen Euro abgeschlossen. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Konzernumsatz zwischen 255 und 275 Millionen Euro prognostiziert. Gert Fisahn sprach von einem anhaltend hohen Kundeninteresse an Lösungen, insbesondere im Metrologiebereich und einem gut gefüllten Auftragsbuch. Zunehmend investiere man auch in das Angebot und die Schaffung von Ausbildungsplätzen und habe auch viel in ein neues, hochmodernes Ausbildungszentrum investiert. Derzeit sind es gut 30 Auszubildende. Zudem sei die Zusammenarbeit im Studium Plus-Bereich, mit den Universitäten und Forschungsinstituten zu nennen. Die mit großer fachlicher Kompetenz durchgeführte Exkursion begeisterte alle Teilnehmer, die sich herzlich für das Engagement bei Gert Fisahn bedankten. Zum Ausklang eines erlebnisreichen Nachmittags trafen sich die Ehrenbürgermeister im Chinarestaurant im Augarten zu einem gemeinsamen Essen.
Die Willy-Brandt-Medaille für Burkhard Schirmer – verliehen von Nina Heidt-Sommer, im Beisein von Ralf Volgmann (hinten), Christopher Nübel (rechts) und Lorenz Schirmer
(Foto: Volker Mattern)
(vm).„Wir wollen mehr Demokratie wagen.” Mit diesem historischen Zitat von Willy Brandt eröffnete die SPD-Landtagsabgeordnete Nina Heidt-Sommer am politischen Aschermittwoch in Wettenberg eine ganz besondere Ehrung. Im Beisein der Ortsvereine Wettenberg, Biebertal und Heuchelheim wurde Burkhard Schirmer mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet – der höchsten Ehrung, die die Sozialdemokratie an ihre Mitglieder vergibt. Für Nina Heidt-Sommer und den Gießener SPD-Fraktionsvorsitzenden Christopher Nübel war die gemeinsame Übergabe der Medaille ein zutiefst persönlicher Moment. Beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Geehrten: Sie waren Schüler von Burkhard Schirmer an der Gesamtschule Gießen-Ost. Schirmer, der über 33 Jahre an der Ostschule unterrichtete, prägte Generationen von jungen Menschen. Sein pädagogisches Credo „Selber denken macht schlau” wurde für viele zum Kompass für kritisches Denken und mutigen Einsatz für die demokratischen Werte. Das Leben des Geehrten war auch eines für die kommunale Selbstverwaltung. Burkhard Schirmer trat am 1. November 1969 in die SPD ein. Der durch die Wahl Willy Brandts ausgelöste Geist des Gestaltens zog sich durch dies gesamte politische Laufbahn des Geehrten. Über 44 Jahre hinweg prägte der Physiker die Gießener Stadtpolitik maßgeblich. Ein besonderer Höhepunkt seines Wirkens war die Wahl zum Stadtverordnetenvorsteher im April 1997. In diesem Amt moderierte er den demokratischen Streit mit der gebotenen Fairness und Klarheit, für die er bis heute über Parteigrenzen hinweg geschätzt wird. Zuvor hatte er bereits als Stadtrat (1979-1981), Mitglied des Kreistages (1979-1993) und als Fraktionsvorsitzender der SPD (1985-1987) Verantwortung übernommen. In der inhaltlichen Arbeit galt Schirmer als Experte für die komplexen Felder der Finanzen und der Kultur. Sein Engagement für das Stadttheater war ihm eine Herzensangelegenheit. 25 Jahre lang leitete er als Vorsitzender den Theaterverein. Auch als Gründungsvorsitzender der Jazzinitiative Gießen und in führender Rolle beim Basketball des MTV 1846 Gießen hinterließ er bleibende Spuren. „Burkhard Schirmer hat uns gezeigt, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern vom Mitmachen lebt”, betonte Nina Heidt-Sommer. Auch nach seinem offiziellen Abschied aus der Politik vor 10 Jahren blieb sein Interesse ungebrochen. Bis 2019 verpasste der zum Stadtältesten ernannte Schirmer kaum eine Parlamentssitzung als Gast. Die Verleihung der Willy-Brandt-Medaille würdigt ein Lebenswerk, das die Verbindung von intellektuellem Anspruch, kultureller Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz für das Gemeinwohl verkörpert. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes nahm die Auszeichnung unter großem Applaus der anwesenden Genossinnen und Genossen entgegen.
Lara Gruber (links) und Jana Freudenberger am Lampedusa-Kreuz
(Foto: Volker Mattern)
(vm).“Luft nach oben” ist immer – das zeigte auch die jüngste Veranstaltung dieses Projektes, bei dem sich die katholische Kirche St. Raphael in Wißmar, der Kunst, Kultur und dem Debattieren öffnet. Das große Kreuz grüßt stets als Symbol der Hoffnung und des christlichen Glaubens die Besucher vom Altarraum aus und fast unscheinbar links darunter war diesmal ein Kreuz zu sehen, dass keine Hoffnung symbolisierte, sondern vielmehr ein Mahnmal darstellte. Das schlichte Lampedusa-Kreuz des Tischlers, Francesco Tuccio, ist aus Wrackteilen gekenterter Flüchtlingsboote, die an der italienischen Insel Lampedusa anlandeten, zusammengefügt. Es erinnert an die im Mittelmeer auf ihrer Flucht ertrunkenen Menschen und damit an eine gescheiterte Flüchtlingspolitik. Gemeinsam mit der Initiative „Wettenberg bleibt bunt” hatte die Kulturkirche St. Raphael zu einem bewegenden Dokumentarfilm mit anschließendem Filmgespräch eingeladen. „Kein Land für niemand” lässt keinen, den dass Flüchtlingsthema mit all seinen Facetten und Tragödien berührt, unberührt. Eine humanitäre Katastrophe, die in der medialen Wirklichkeit kaum noch eine Rolle spielt. Flucht und Vertreibung sind deswegen aber nicht verschwunden. Sie finden statt und umso beschämender in diesem Kontext das Verhalten angeblich verantwortungsbewusster Politiker der EU-Länder, allen voran Deutschlands, die stolz auf die Ergebnisse ihre restriktive Flüchtlingspolitik sind und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, so vorweggenommen, die Reaktion der etwa 80 Gäste. Europa zieht die Mauern hoch – mitten in einer humanitären Katastrophe. Der Dokumentarfilm „Kein Land für Niemand – Abschottung eines Einwanderungslandes” beleuchtet die drastischen Folgen dieser europäischen Abschottungspolitik und besonders die Rolle Deutschlands in diesem Paradigmenwechsel. Der knapp 120 minütige Dokumentarfilm erschien im Juni vergangenen Jahres. Begleitet wird eine Rettungsmission im Mittelmeer und gezeigt werden die katastrophalen Zustände in Lagern für Geflüchtete die den lebensgefährlichen Weg nach Europa überlebt haben. Gleichzeitig blickt der Film auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland: Ein erstarkender Rechtspopulismus prägt den Diskurs. Flucht und Migration werden zunehmend kriminalisiert, und humanitäre Hilfe gerät unter Druck. Der Film, der auch Rechtsbrüche wie Push backs dokumentiert, wirkt wie ein Brennglas, in welchen sich das Thema mit all seinen Ereignissen, Aspekten und Facetten kompensiert. Diese Verdichtung führte auch in der katholischen Kirche in Wißmar zu den unterschiedlichsten Gefühlen und Reaktionen, geprägt nicht nur durch die Bilder, sondern auch durch exklusive Interviews mit Wissenschaftlern, politischenEntscheidungsträgern und Aktivisten, bei denen die aktuellen Narrative über Flucht und Migration ebenso beleuchtet werden, wie die Mechanismen, mit denen Angst und Populismus die politische Agenda bestimmen. Der Film gibt aber auch jenen Menschen eine Stimme, die ansonsten ungehört bleiben. Eine solche Stimme haben auch Lara Gruber und Jana Freudenberger auf besonders beeindruckende und beispielgebende Weise vielen dieser Menschen gegeben. Lara Gruber ist inzwischen Lehrerin an einer weiterführenden Schule und bringt ihre Erfahrungen in der Bildungsarbeit ein. Sie stammt aus Krofdorf-Gleiberg. Bereits 2017 absolvierte sie noch als Schülerin einen längeren Auslandsaufenthalt in Kolumbien, lernte dort Armut und Hilfsbedürftigkeit kennen, unterstütze Familien, vor allem kranke Kinder und organisierte mit großem Erfolg Spendenaufrufe. 2020 organisierte sie einen Hilfstransport von Krofdorf-Gleiberg nach Lesbos, gemeinsam mit ihrer Schwester Lucie und Freunden und begleitete diesen bis in das dortige Lager, wo sie das Elend der Flüchtlinge hautnah kennenlernte und den Menschen half. „Lesbos 2.0″ nannte sie ihre Hilfsaktion, ein Jahr später. Jana Freudenberg aus Frankfurt ist Bildungsreferentin, hat ausgewiesene Erfahrung in Migrationspolitik, Flucht und Asyl. Beide kennen die Situation der Lager auf Lesbos und Lampedusa aus eigener Anschauung. Lara Gruber, die den Film schon mehrmals gesehen hat, sprach vom Aufzeigen von Strukturen und wie sie zusammenhängen. Jana Freudenberger bilanziert, so wie es ist, ist es die Folge falscher politischer Entscheidung, obwohl es Ideen gebe, wie es besser sein könnte. Beide berichten, dass eine Hilfe wie vor einigen Jahren noch, nicht mehr möglich ist. Versuche unterstützender Hilfeleistungen werde als Beihilfe zur illegalen Migration eingestuft. Die Lager würden streng verwaltet und gewährten keinen Durchlass mehr. Das System baue auf starke Einschränkung der Rechte der Flüchtlinge und der Effizienzgedanke der Lagerverwaltung und Flüchtlingspolitik basiere auf der Strategie bewusster Abschreckung. Die Zäune auf Lesbos, so Lara Gruber, würden immer höher und für zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen gebe es keine Möglichkeiten mehr. Die Fragen der Gäste nach dem Wie und Was man hier vor Ort tun könne, klang oft nach Hilflosigkeit und Resignation. Alle Möglichkeiten, die ein demokratisches und freies Land ermöglicht, müssten ausgeschöpft werden. Die Stimme erheben und nicht resignieren, Netzwerke aufbauen, Kontakte suchen sich nicht desillusionieren lassen, so Jana Freudenberger. Jede noch so kleine Hilfe, jedes dankbare Lächeln ist Geschenk und Antrieb, weiterzumachen, so die ermutigenden Erfahrung von Lara Gruber während ihrer Camp-Aufenthalten. Getreu dem Motto, „wo ein Wille ist…” machten die beiden Frauen am Beispiel Lesbos deutlich, was geht. Dort haben nämlich Hilfsorganisationen in unmittelbarer Nachbarschaft der Lager Land angemietet. Es entstand „Paraea”, was übersetzt aus dem altgriechischen „Miteinander” bedeutet. In dieser dorfähnlichen Struktur gibt es Ärzte, eine Schule, ein Café, eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder, eine Wäscherei und eine Bibliothek an. Paraea sei ein Zeichen erfolgreichen Kampfes gegen die Abschottung, Isolation und die schikanöse Flüchtlingspolitik und ein Leuchtfeuer der Hoffnung, so die beiden Frauen. Auch der Film sollte als Weckruf verstanden werden, so die beiden Moderatoren, Edwin Borg (Aktion „Luft nach oben”) und Lorenz Schirmer (Initiative „Wettenberg bleibt bunt). In seinem Grußwort eingangs hatte der Kirchenvertreter einen religiösen Gedanken zum Thema „Migration” beleuchtet: Die jüdisch-christliche Bibel schildere den Menschen von Anbeginn als einen auf der Flucht, auf Wanderschaft und auf der Suche nach fruchtbarem Land und Heimat. Für das Projekt „Paraea” ging ein Spendenkorb rund. Die Kollekte ergab 665 €. Der gesamte Community Center „Parea” steht unter Europe Cares.
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