
Das Blasorchester Wißmar begeisterte mit „Böhmischen Melodien”
(Foto: Volker Mattern)
(vm).Seine letzte Runde, getreu dem Polka-Titel „Eine letzte Runde”. Und dann sollte noch ein weiterer Titel aus dem Frühlingskonzert für ihn besondere Bedeutung haben, „Genieß’ Dein Leben”. Zumindest Donnerstagsabends ist er jetzt zuhause, worauf sich seine Frau Monika, Vorsitzende des Blasorchesters Wißmar, freut. In diesem Orchester gab Gilbert Monter 25 Jahre als Dirigent und Leiter den Ton an, drückte ihm seinen Stempel auf und der war geprägt von der Leidenschaft und dem Können eines Vollblutmusiker, der „uns auf seine besondere und unnachahmliche Weise auf einen neuen Level stellte”, wie Orchestermitglied, Dieter Mülich in seiner Laudatio festhielt. Es war ein besonderer Nachmittag im Launsbacher Bürgerhaus, der „Böhmischen Melodien” gewidmet war, so das Motto. Wunderbare Weisen dieser Genres erfreuten und erreichten die Herzen knapp 400 begeisterter Gäste und sicherlich führte den einen oder anderen auch der besondere Moment der Verabschiedung des Dirigenten dorthin. Auch Landrätin Anita Schneider war gekommen. Mit neun Jahren hat Gilbert Monter beim Musikverein Büdingen/Saar begonnen, das Trompetenspiel zu erlernen. Sein musikalischer Lebensweg war vorgezeichnet. Es folgten Auszeichnungen als Kreismeister, Saarlandmeister und mit 14 Jahren 1. Preisträger von „Jugend musiziert” auf Bundesebene. Er absolvierte an der Musikschule Saarbrücken ein Vorstudium, kam mit 18 zur Bundeswehr und spielte 17 Jahre im Musikkorps Koblenz. Anschließend acht Jahre im Heeresmusikkorps 5 Gießen, wo er als 2. Dirigent fungierte. In dieser Zeit leitete er zudem die Biebertaler Musikanten, die Kinzenbacher Blasmusik und das Blasorchester Lahnau. Seit 1993 ist er aktiv im Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen. Im Mai 2001 kam er zum Heeresmusikkorps 12 nach Würzburg. Ein halbes Jahr später verschlug es den inzwischen 75jährigen nach Wißmar und verbunden damit die glückliche Fügung seiner Zusage, beim Blasorchester das Dirigat zu übernehmen. Über 15 Jahre unterstützt er in dieser Zeit auch den Heimat- und Musikverein Rechtenbach musikalisch. Daraus entwickelte sich eine große Freundschaft, wie auch der Besuch vieler Weggefährten von dort und auch solcher aus Bicken, wo er noch Verantwortung trägt, Beweis war. Seine Vita ist schillernd und auch mit dem Hinweis auf seine Unterstützung der „Original Böhmischen 7″ in Leitungsfunktion längst nicht vollzählig. Sein Beruf als Musiker ließ ihn die ganze Welt bereisen. Namhafte Künstler, wie beispielsweise Udo Jürgens, Peggy March und Ireen Sheer durfte Gilbert Monter begleiten und in Big Bands mit Größen wie Max Greger, Hugo Strasser und Paul Kuhn mitwirken. Bei Carolin Reibers Musikantenstadl war er auch mit dabei und auf Kanzlerfesten spielte Gilbert Monter unter anderem. Ein Phänomen in jeder Hinsicht, so Orchestermitglied, Markus Gehlert, der durch das Programm führte und meinte, „Servus-Orchester” sei doch ein passender Name für das Ensemble. Das Wort bedeute „Hallo” und „Tschüss”. Würde passen, denn es gibt bereits den „Neuen”, dem Gilbert Monter symbolisch den Stab überreichte. Seit Anfang des Jahres steht Jörg Adams als Orchesterleiter in der Verantwortung und gab erstmals öffentlich mit seinem Einsatz am Schluss des Konzertes seine Visitenkarte ab. „Mein Herz schlägt nur für Dich”, oder „Meine Leidenschaft” – Polkas von Ernst Mosch und Alexander Pfluger waren zwei von 12 Stücken im ersten Konzertteil dem weitere 10 Titel nach der Pause folgten, alle noch dirigiert von Gilbert Monter und zugeschnitten auf ihn und den besonderen Moment. Das Gesangsduo Bärbel und Willi Wahle aus Eslohe im Sauerland zeigte durch seine Mitwirkung, wie Musik verbindet und wie gut Netzwerke funktionieren. Es war ein in Teilen emotionales Konzertereignis, denn erinnert wurde bei der Laudatio, an Joachim „Lerry” Lehr, dem verstorbenen Freund Gilbert Monters, der viele Konzerte des Blasorchesters als Teil des Ensembles und vor allem als Conferencier mit seinem Humor und Charme bereichert hatte. Mit stehenden Ovationen würdigte das Publikum nach zweieinhalb Stunden den scheidenden Dirigenten und dankten den 23 Musikern für die zahlreichen, böhmischen Melodien.

Gilbert Monter – „Eine letzte Runde”
(Foto: Volker Mattern)


