Die volle Dröhnung auf der Burg, Laut. Dreckig. Echt. – Neuauflage Gleiberg Rocks erfolgreich

Heimspiel für Fabian Münch

(Foto: Volker Mattern)

(vm).Wie nicht anders zu erwarten, die Burg Gleiberg steht noch. Sie hat in ihrer über 1000jährigen Geschichte schon so manchen Sturm überlebt und auch das jüngste Großereignis konnte dem mittelalterlichen Baudenkmal in seinen Grundfesten nichts anhaben. Es bot aber einmal mehr eine prachtvolle Kulisse, und die herbe Schönheit seiner hohen und dicken Mauern passte irgendwie zu dem, was auf dem Burghof zu sehen und vor allem zu hören war. Nach der letztjährigen Pause hieß es wieder „Gleiberg Rocks”. Wir mussten einfach mal durchatmen, auch um uns neu zu orientieren, so Sabine Glinke. Die Krofdorferin hatte mit ihrem Unternehmen „SG Events & Medien” und einem großartigen Team an Helfern die künstlerische Pause sinnvoll genutzt. Dafür sprach auch die Umsetzung ihrer Idee, den Festivalabend komplett unter EIN musikalisches Motto zu stellen. Nicht mehr unterschiedliche musikalische Stilrichtung wurden geboten, sondern gleich drei Tribute-Bands, standen auf der Bühne und rockten, was das Zeug hielt. „Seattle Sound – One Night of Grunge” lautete das Thema und die Rechnung ging voll auf. Knapp 400 Fans dieses in Seattle sich in den 90er Jahren völlig neu entwickelten Musikstils ließen sich gehen, tanzten, was die Sohle hergab, folgten harten E-Gitarrenriffs, bewegten sich geschmeidig und ließen sich vom Rhythmus der Trumps und den wummerten Bässen einfach treiben. Den rohen Sound der 90er und damit die musikalische Reise in die Vergangenheit, eröffnete die Alice-in-Chains-Tribute-Band „Muddy Sewer”. Für ihren Frontmann und Sänger war es ein Heimspiel, denn Fabian Münch ist waschechter Gleiberger. Viel kennen ihn auch noch aus seiner früheren Band „Grown Wild”. Da saß er zu Beginn, locker auf seinem Hocker und die verspiegelte Sonnenbrille hatte durchaus ihre Berechtigung. Die Abendsonne entsandte noch ein paar Strahlen in den Burghof und im Großen und Ganzen zeigte sich über das insgesamt fünfstündige Konzertereignis, dass Petrus durchaus Rockfan zu sein schien. Das Herz des Gleibergers schlägt für die Musik und das war in jedem Titel spürbar. Ob mit „Nutshell”, „Got me wrong”, oder „Down in a hole”, oder bei „Heaven beside you”, „Rooster” und „Man in the Box” – Fabian Münch und seine Musikerbegleitung überzeugten in allen Belangen. Die Ansprüche für das Rockfestival waren bereits im Vorfeld mit „Laut, dreckig und echt” angekündigt worden. Die nächste Band, die die Bühne betrat, sollte diese Attribute mit jeder Silbe, mit jedem Saitenanschlag an E-, und Bassgitarre und jedem Schrei in die Mikros und jeder Zelle ihres Körpers leben. Mit „Love Buzz” gab es richtig was auf die Ohren und die Bandmitglieder straften vor allem die den Norddeutschen gerne angedichtete kühle Reserviertheit Lüge.

Brachial und leidenschaftlich – „Love Buzz” aus Bremerhaven

(Foto: Volker Mattern)

Dem brachialen und von purer Leidenschaft gekennzeichnete Act der Nirvana-Tribute-Band aus Bremerhaven konnte niemand entkommen. Sie heizten ein und vor allem auch Kevin an den Drums hatte mit seiner schwarzen Mähne, dem Bart und nackten Oberkörper so etwas von Dschingis Khan. Seine Schlagzeugpart mit vielen einleitenden Solis ließ an eine unter Volldampf stehende Lok der Baureihe 45 erinnern, die quer durch die Bühne zu rauschen schien. Ihre Waggons waren beladen mit Titeln wie „Dive”, „School”, „Rape Me”, Scentless Apprentice” und „You know you’r e Right”, um nur einige aus ihrem zweistündigen schweißtreibenden Powerplay zu benennen. Die Jungs aus Bremerhaven räumten die Bühne um der letzten Band des Abends Platz zu machen. Die Pearl-Jam-Trtibute-Band „Given2Fly” hielt Anschluss an dem Festivalmotto und seinem damit verbundenen Alleinstellungsmerkmal. Es wurde nicht langweilig, nicht eintönig. Im Gegenteil: Mit ihrem authentischen PJ-Sound und der wandelbaren Stimme des Sängers sprang der Funke zum Publikum sofort über. Die drei Jahrzehnte andauernde Bandgeschichte von Pearl Jam wurde greif- und nahbar und egal ob Klassiker und eher unbekannte Schätzchen – der riesige Fundus an Titel mit hartem Rock, erhabenen Hymnen oder aggressiven Punk und eingängigen Balladen kam aus den Herzen der Musiker und erreichte die Herzen der Besucher. „Soll „Gleiberg Rocks” im kommenden Jahr fortgesetzt werden?”. Die Frage von Sabine Glinke wurde mit einem unüberhörbaren „Ja” und tosendem Applaus beantwortet. Die Veranstalterin dankte auch dem Gleiberg-Verein als Burgeigentümer und Schirmherr der Veranstaltung sowie Gastronom, Axel Horn für die Unterstützung.

So Recht nach dem Geschmack der Rockfans

(Foto: Volker Mattern)

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