Grundschule Launsbach meets Pop-Art

Kurz vor den Sommerferien fand an der Grundschule in Launsbach die Projektwoche zum Thema Pop-Art statt. In jahrgangsübergreifenden Gruppen wurden die Kinder kreativ und imitierten den Stil von Künstlern wie Keith Haring, Roy Lichtenstein und Jim Dine. Zwei Exkursionen rundeten das Programm dieser besonderen Woche ab.

Dass in dieser Woche etwas anders war, als sonst, konnte jeder merken, der die Grundschule in Launsbach betrat: Bereits auf dem Schulhof konnte man sich einen Einblick in Street-Art verschaffen: Eine Schülergruppe zeichnete Strichmännchen im XXL-Format auf großflächiges Papier und malte sie bunt an. Es war klar erkennbar, dass hier der Stil von Keith Haring nachgeahmt wurde. Ein anderes Bild zeigte sich in einem Klassenraum, in dem die Lehrerinnen Lea Hovestadt und Ruth Graulich mit einer altersgemischten Schülergruppe arbeiteten. An die Wand war das Werk „8 Hearts” von Jim Dine projiziert worden, das die Kinder mit unterschiedlichen Techniken nachgestalten sollten. „Erst haben wir aus einem Schwamm ein Herz ausgeschnitten und auf ein Holzstück geklebt. Das war unser Stempel”, berichtet die achtjährige Carlotta. „Danach habe ich auf eine feste Unterlage gesprüht. Und dann wurde der Stempel mit Acrylfarbe bepinselt und die Herzen auf das Blatt gestempelt.” Graulich hob dabei auch die unterschiedlichen Lerneffekte hervor: „Neben der künstlerischen Tätigkeit lernen die Schüler die Farben auf Englisch. Die Erstklässler schreiben heute das erste Mal Schreibschrift.” Henrike Diehl, Schulleiterin und gleichzeitig Klassenlehrerin einer 3. Klasse, betreute eine Schülergruppe, die sich Roy Lichtenstein zum Vorbild nahm und Comicfiguren wie zum Beispiel Lucky Luke und Garfield in Übergröße nachzeichnete. Der neunjährige Emil hatte sich Donald Duck ausgesucht, „weil ich ihn mag. Denn er ist meistens witzig. Ich lese vor dem Einschlafen immer Donald-Duck-Bücher.” Auf das Thema Pop-Art war das Kollegium der Grundschule eher zufällig gekommen. Ausschlaggebend sei ein Gemälde der 3 Steps gewesen, welches Diehl zu ihrer Ernennung als Rektorin im letzten Jahr bekommen hatte. „Daraufhin habe ich mich im Kunstunterricht mit der 3. Klasse mit dem Thema Graffiti beschäftigt”, so die Schulleiterin. „Viele Schülerinnen und Schüler waren von Street-Art begeistert und zeigten großes Interesse an dieser Kunstform. Da ich die 3Steps persönlich kenne, entstand die Idee, einen Workshop mit ihnen anzufragen. Auch Kolleginnen griffen die Begeisterung der Kinder auf, sodass wir uns gemeinsam für das Oberthema ‚Pop-Art’ entschieden.”


Besuch im Städel: „Ich finde es richtig gut!”


Für viele Kinder eine besondere Erfahrung war auch der Besuch des Städel-Museums in Frankfurt. Dort begegneten die Grundschüler nicht nur den Alten Meistern mit Neugierde, sondern zeigten auch gegenüber der Gegenwartskunst große Offenheit und Interesse. Ein Kind konstatierte erstaunt: „Ich dachte, Kunst wären nur Bilder”. Es sei beeindruckend gewesen zu erleben, wie aufmerksam sie den Erläuterungen der Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern zuhörten und wie viele Fragen sie stellten”, bemerkte Diehl. „Als die Kuratorin die Kinder fragte, wer bereits einmal ein Kunstmuseum besucht habe, meldete sich kein einziges Kind”, erzählt die Lehrerin weiter. „In diesem Moment wurde mir bewusst, wie wertvoll solche kulturellen Erfahrungen für unsere Schülerinnen und Schüler sind. Ich war sehr stolz darauf, dass wir ihnen diese Möglichkeit eröffnen konnten.” So habe ein Kind nichtdeutscher Herkunft gesagt: „Ich war noch nie in einem Museum. Ich finde es richtig gut!”


„Highlight der Projektwoche”


Ein besonderer Stellenwert in der Projektwoche kam dem Besuch der 3Steps in Gießen zu. Kai Krieger, Mitglied des Künstlerkollektivs mit ihrem Atelier an der Margaretenhütte, gab den Kindern spannende Einblicke in das Leben und Arbeit eines Künstlers. Er berichtete von seinem persönlichen Weg zur Graffiti-Kunst und Street-Art und erzählte, was ihn an dieser Kunstform bis heute besonders fasziniert. Er zeigte sich auch begeistert von den spontanen Ideen der Kinder und erklärte, dass er sich oft von ihren kreativen Farbkombinationen und künstlerischen Arbeiten inspirieren lasse. Die Schülerinnen und Schüler wurden dort auch selbst aktiv: Sie lernten den Umgang mit der Spaydose, gestalteten Hintergründe, schnitten Schablonen aus und sprayten ihre Motive auf die vorbereiteten Flächen. Ein Junge erklärte: „Das war für mich mein persönliches Highlight in der Projektwoche!”


„Ich liebe Kunst!”


Solche Momente zeigen, laut Diehl, wie wichtig kreative Bildung für die persönliche Entwicklung von Kindern sein kann. „Generell öffnet es mir das Herz, fröhliche und motivierte Kinder zu sehen, die mit Begeisterung malen, bauen und gestalten”, so die Rektorin. „Und immer wieder hört man Sätze wie: ‚Ich liebe Kunst!'” Der Förderverein der Grundschule hatte die Projektwoche finanziell maßgeblich unterstützt. Die Vorsitzende, Franziska Haas, die selbst als Kunstlehrerin an einer weiterführenden Schule in Gießen arbeitet, resümierte:” Es ist ein voller Erfolg und ein tolles Beispiel dafür, wie sinnvoll, kreativ und weitreichend die Projektwoche zum Thema Kunst genutzt wurde.”


Texte und Bilder: Grundschule Launsbach

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