Landkreis Gießen

Keine Wasserentnahme aus Seen, Flüssen und Bächen
Landkreis Gießen reagiert auf anhaltende Trockenheit und fehlende Niederschläge

Der Landkreis Gießen untersagt aufgrund der anhaltenden Trockenheit die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern wie Bächen, Flüssen oder Seen ab Samstag, 18. Juli. Der Fachdienst Wasser- und Bodenschutz erlässt eine entsprechende Allgemeinverfügung, die an diesem Tag in Kraft tritt und bis auf Weiteres gilt. Ziel der Einschränkung ist es, den Naturhaushalt zu schützen und eine zusätzliche Verringerung der ohnehin schon niedrigen Wasserstände zu verhindern.

„Unerlaubte Wasserentnahmen aus Gewässern, zum Beispiel zum Bewässern von Rasenflächen, belasten das Ökosystem zusätzlich zur Trockenheit”, erklärt Umweltdezernent Christian Zuckermann. „Vor allem kleine Gewässer drohen komplett auszutrocknen.”

Wer trotz des Verbots Wasser aus oberirdischen Gewässern entnimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden kann. Einzig erlaubt sind Benutzungen im Rahmen einer bestehenden wasserrechtlichen Zulassung.

Weitere Fragen beantwortet der Fachdienst Wasser- und Bodenschutz des Landkreises Gießen unter 0641 9390-3573.

Die Allgemeinverfügung gibt es zum Nachlesen unter www.lkgi.de/oberirdische-gewaesser.

Landkreis Gießen übergibt fünf Feuerwehrautos an ukrainische Partnerkommune
Vertreter aus der Region Tschernihiw nehmen die Fahrzeuge aus ganz Hessen entgegen

Immer häufiger heulen aktuell die Sirenen in Tschernihiw, wenn wieder Luftalarm ausgelöst wird, um vor der drohenden Gefahr zu warnen – und die Gefahr in der Ukraine ist weiterhin allgegenwärtig seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Davon berichtete Serhii Harus, Gemeinderatsvorsitzender von Ripkyne, einer Gemeinde in der Region Tschernihiw. Auf dem Hof des Gefahrenabwehrzentrums in Gießen ist er gemeinsam mit neun seiner Landsleute nach 30 Stunden Fahrt aus der Ukraine angekommen. Dass die Vertreter aus Tschernihiw eine 2000 Kilometer lange Reise für einen Aufenthalt von gerade mal einem Tag bewältigen, zeigt, wie dringend die Spenden aus dem Landkreis Gießen in ihrer Heimat benötigt werden.

Für seine ukrainische Partnerkommune hat der Landkreis Gießen insgesamt fünf ausrangierte Feuerwehrautos aus ganz Hessen übernommen und zur Verfügung gestellt. „Als wir die Solidaritätspartnerschaft mit der Region Tschernihiw eingegangen sind, war es uns wichtig, dass diese Partnerschaft nicht nur auf dem Papier besteht, sondern auch nachhaltig gelebt wird”, begrüßte Landrätin Anita Schneider. „Wir freuen uns, dass unsere Unterstützung in der Ukraine auf fruchtbaren Boden fällt. Erfreulich ist zudem, dass fünf hessische Kommunen uns mit der Zurverfügungstellung ausgemusterter Tanklöschfahrzeuge unterstützt haben. Mit den fünf Fahrzeugen, die heute nach Tschernihiw aufbrechen, möchten wir den Menschen dort Hoffnung geben und sie im Kampf um das tägliche Überleben stärken.”

Fünf Feuerwehrautos, fünf Bagger und zwei Busse für die Ukraine
Der Landkreis Gießen hatte sich um Fördermittel über das Projekt „Sachgüter für kommunale Dienstleistungen” von Engagement Global mit der Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt” des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beworben. So konnten fünf Tanklöschfahrzeuge, fünf Baggerlader und zwei behindertengerechte Transportbusse zu 95 Prozent über Fördergelder finanziert werden. Während die fünf gebrauchten Bagger bereits geliefert wurden, befinden sich die zwei neuen Busse noch in der Herstellung.

Um für die ukrainische Partnerkommune fünf Feuerwehrautos bereitstellen zu können, hatte der Landkreis Gießen in den hessischen Städten und Gemeinden angefragt, ob ausgemusterte, aber voll funktionsfähige, Fahrzeuge vorhanden sind, die durch den Landkreis übernommen werden können. Das Ergebnis: Die fünf Tanklöschfahrzeuge stammen ursprünglich aus Allendorf (Eder), Gersfeld, Hirzenhain, Hosenfeld und Oberursel. „Wir haben gerne an der Aktion teilgenommen”, betonte Carsten Schäfer, Bürgermeister der Gemeinde Allendorf (Eder), stellvertretend für die fünf unterstützenden Kommunen. „Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Wir freuen uns, dass unser ehemaliges Feuerwehrauto nun in der Region Tschernihiw einen neuen Einsatzort findet.”

Landrätin Anita Schneider bedankte sich herzlich bei allen Beteiligten
Den Erwerb der Tanklöschfahrzeuge hat Kreisbrandinspektor Mario Binsch mit dem Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises begleitet. Zwischengelagert wurden die Fahrzeuge durch den DRK-Kreisverband Marburg-Gießen. Das Fuhrparkmanagement des Landkreises hat sich um die Zulassung und Versicherung der Feuerwehrautos gekümmert. Zudem hat die Freiwillige Feuerwehr Heuchelheim eine ausrangierte Leiter sowie ein Sprungtuch und die Freiwillige Feuerwehr Münchhausen Einsatzkleidung gespendet. Darüber hinaus ging ein großes Dankschön an Ronja Grimmer, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, und Udo Liebich, Büroleiter der Landrätin, sowie an die beiden Übersetzer Polina Turiyanskaya und Pavlo Rozbytskyi.

Mit der ukrainischen Region Tschernihiw verbindet den Landkreis Gießen seit dem Jahr 2023 eine Solidaritätspartnerschaft. Die Region liegt im nördlichen Teil der Ukraine, ihre gleichnamige Hauptstadt befindet sich etwa 140 Kilometer von Kiew entfernt. Im Westen und Norden grenzt Tschernihiw an Belarus, im Nordosten an Russland. Auf dem rund 10.000 Quadratkilometer großen Gebiet leben circa 450.000 Menschen.

Landkreis Gießen setzt Förderung der Kulturloge fort
12.500 Euro jährlich sichern wichtige Arbeit

Kultur schafft Begegnungen, eröffnet neue Perspektiven und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit möglichst viele Menschen daran teilhaben können, setzt der Landkreis Gießen seine Förderung der Gießener Kulturloge fort – dies hat kürzlich der Kreisausschuss beschlossen. Der Verein erhält weiterhin einen jährlichen Zuschuss von 12.500 Euro. Mit der Förderung wird eine halbe Personalstelle finanziert. Sie koordiniert die Vermittlung kostenloser Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an Menschen mit geringem Einkommen.

„Jeder soll an Kultur teilhaben können, unabhängig davon, was im Portemonnaie ist”, sagt Landrätin Anita Schneider. „Ich bin überzeugt, dass Kultur der Schlüssel zu mehr Gemeinschaft ist. Mehr kulturelle Teilhabe ist deshalb auch ein wichtiger Baustein zu einer ‚gelebten funktionierenden Demokratie’.”

Mehr Gäste aus dem Landkreis gewinnen
Die Kulturloge Gießen vermittelt Freikarten, die Kulturveranstalter zur Verfügung stellen, an Menschen, die sich den Besuch sonst nicht leisten könnten. Die Gäste werden über regionale Sozialpartner vermittelt; konkret sind das die AWO, die Caritas, das Diakonische Werk, die Lebenshilfe, der Fachdienst Soziales des Landkreises Gießen und die ZAUG gGmbH und deren Gemeinwesenarbeiter:innen in den Kommunen. Dabei legt der Verein besonderen Wert auf Diskretion und darauf, dass alle Gäste Veranstaltungen ohne Stigmatisierung besuchen können.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Gäste nicht nur aus dem Stadtgebiet Gießen, sondern auch darüber hinaus kommen: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2143 Eintrittskarten vermittelt. Davon gingen 599 an Menschen aus dem Landkreis Gießen. Gleichzeitig wächst das Netzwerk der Kulturpartner außerhalb der Stadt kontinuierlich. Inzwischen beteiligen sich unter anderem der Kulturbahnhof Lollar, das Wohnzimmer Daubringen, das Music Forge Festival in Lich, der KuKuK Wettenberg, die Mediothek Lollar, das Papiertheater Kleine Auszeit in Buseck sowie das Wettenberger Sammelsurium Amateurtheater. „Wir wollen noch stärker auf die Menschen im Landkreis zugehen und sie einbinden”, sagt der Vorsitzende der Kulturloge, Dr. Fedor Weiser.

Gemeinsame Projekte für mehr Teilhabe
Seit 2024 arbeitet die Kulturloge eng mit der Kulturförderung des Landkreises zusammen. Gemeinsam werden weitere Kulturveranstalter aus dem Landkreis für das Projekt gewonnen und neue Angebote entwickelt.

„Das Zusammenspiel zwischen Kulturloge, Kulturförderung und weiteren Institutionen funktioniert hervorragend. Gemeinsam schaffen wir neue Zugänge zu Kultur für die Menschen im gesamten Landkreis”, sagt Anja Horstmann von der Kulturförderung Landkreis Gießen.

Förderung schafft Planungssicherheit
Die Finanzierung der Geschäftsstelle wird von mehreren Partnern getragen: Der Landkreis Gießen beteiligt sich mit jährlich 12.500 Euro. Die Stadt Gießen unterstützt den Verein mit 10.000 Euro sowie der Bereitstellung der Büroräume in der Villa Leutert. Weitere 7500 Euro bringt der Verein selbst auf. Zuvor war die halbe Personalstelle über das Teilhabechancengesetz finanziert worden; diese Förderung lief 2024 aus.

„Die Förderung ist Teil der sogenannten freiwilligen Aufgaben der Kommunen und trotzdem kein ‚nice to have'”, so Landrätin Anita Schneider. „Denn gerade Vereine oder Institutionen wie die Kulturloge übernehmen wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Es lohnt sich deshalb – trotz knapper kommunaler Kassen – für diese Förderungen zu kämpfen und einzustehen.”

Mitglieder für Vereinsarbeit unabdingbar
Die Gießener Kulturloge wurde 2011 gegründet und zählt heute rund 100 Mitglieder. Unter der Schirmherrschaft des Gießener Oberbürgermeisters Frank-Tilo Becher arbeitet der Verein mit etwa 60 Kulturveranstaltern aus Stadt und Landkreis zusammen. Die Gästeliste umfasst derzeit rund 750 Menschen, wöchentlich werden etwa 50 Eintrittskarten vermittelt.

Wer die Arbeit der Kulturloge unterstützen möchte, kann bereits mit einer Mitgliedschaft von zwölf Euro im Jahr dazu beitragen, dass kulturelle Teilhabe unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten gelingt.

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