Aus eigenem Erlebten neu erinnert – Jahrgang 1944/45 Krofdorf-Gleiberg besucht Gedenkstätte Meisenbornweg (Notaufnahmelager) in Gießen

Die Schul- und Jahrgangskameraden beim Besuch der Gedenkstätte Meisenbornweg, hier mit Dr. Sina Fabian, die die Führung übernommen hatte

(Foto: Volker Mattern)

(vm). Ein Ort zum Entdecken, Nachdenken und Verstehen – damit wirbt das ehemalige Notaufnahmelager Gießen, das seit dem 17. Juni 2025, auf Beschluss der Hessischen Landesregierung, Gedenkstätte und Museum mit einer Dauerausstellung ist. In die wechselvolle Vergangenheit dieses einstigen Barackenlagers, die geprägt war von Flucht und Vertreibung als Folge politischer und gesellschaftspolitischer Umwälzungen und Veränderungen, mit all ihren, vor allem negativen, Auswirkungen auf die Menschen, tauchten jetzt die Alterskameraden des Jahrgangs 1944/45 Krofdorf-Gleiberg ein. Sie sind sehr rege und unternehmen in gewissen Abständen Ausflüge, vor allem auch Besichtigung bedeutsamer Einrichtungen und von heimischen Unternehmen. Etwas besonderes war der Besuch im einstigen Notaufnahmelager, dass im August 1950 die Funktion als Bundesnotaufnahmelager erhielt. Die Alters- und Schulkameraden der ehemaligen „Bindewald-Klasse” zeigten sich berührt und beeindruckt von der hervorragenden Dokumentation, dieses authentisch-historischen Ortes, dem nationalen Bedeutung beigemessen wird. Besonders präsent in den eignen Erinnerungen und des Erlebens des Jahres 1989, dem Mauerfall, seit jenem Ereignis täglich bis zu 1.000 Menschen die zentrale Aufnahmestelle in Gießen, so ihre letzte Bezeichnung, erreichten. Die Reise in die Vergangenheit, mit ihren verschiedenen Stationen, wurde für die Teilnehmer zu etwas ganz Besonderem. Nicht zuletzt und vor allem auch vor dem Hintergrund ihres eigene Schicksals, denn einige von ihnen kamen im Rahmen der Vertreibung 1946 als Kleinkinder aus dem Sudetenland und den ehemaligen deutschen Ostgebieten auch nach Krofdorf-Gleiberg. Dieses schicksalhafte, historischen Ereignis war auch der Auslöser für das Flüchtlingslager im Meisenbornweg und in diesem Jahr jährt es sich zum 80. Mal. Sie waren voll des Lobes, auch und insbesondere über die einfühlsame und von großer Kompetenz geprägten Führung mit Dr. Sina Fabian, die die Studienleitung in der Erinnerungsstätte verantwortet. Nach dem Fluchtjahr 1989 dann die Neuausrichtung des Notaufnahmelagers. Gießen wird Zufluchtsort für internationale Asylsuchende. Für Flüchtlinge aus aller Welt wird es zum Sehnsuchtsort und Hoffnung für einen Neubeginn. Besonders angespannt war die Situation im Sommer 2015. An manchen Tagen standen bis zu 900 Personen an der Pforte im Meisenbornweg. Ehrenbürgermeister Gerhard Schmidt, der den Besuch in der Gedenkstätte vorbereitet und organisiert hatte, konnte seinen Alterskameraden auch aus der Zeit der 1990er Jahre berichten, wo sehr viele Spätaussiedler, Russlanddeutsche, Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylsuchende kamen und auch dezentral untergebracht werden mussten.

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